Beim durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Projekt Informationskompetenz II (eigentlich: Joint Project on Comparative Research in Information Literacy for advanced students and staff members) handelt es sich um die logische Weiterentwicklung des Vorgängerprojektes. Während beim Projekt Informationskompetenz I die Zielgruppe vor allem aus Studierenden im Grundstudium bestand, konzentriert sich das neue Projekt auf eine andere, wesentlich diffusere Gruppe.
Diese Zielgruppe besteht im weiteren Sinne aus all jenen, die wissenschaftlich oder lehrend tätig sind. Es geht um Graduierte, Doktoranden, Wissenschaftler, also Fortgeschrittene in dem Sinne, dass bereits Kontakt zu den Informationseinrichtungen einer Hochschule bestand, sie gewohnt sind, diese zu benutzen und in der Regel auch davon ausgehen, diese Kanäle der Informationsversorgung zu kennen und zu beherrschen. Dabei hat die Erfahrung gezeigt, dass die Gruppe der Fortgeschrittenen nicht nur äußerst heterogen gegliedert ist und sich aufgrund dieser Zusammensetzung ohnehin kaum standardisierbare Patentrezepte zur Erreichung der Zielgruppe bzw. zu Methoden und Inhalten abgeben lassen, sondern auch, dass die individuellen Personen oft selbst nicht den Bedarf an einer tiefer gehenden Informationskompetenzschulung erkennen. Die Zielgruppe, das zeigt die bibliothekarische Erfahrung, ist mit zunehmender Qualifizierung weniger an institutionalisierten Schulungen, an zielgerichteten Veranstaltungen oder präventiven Maßnahmen interessiert, sondern lebt informationell gesehen von der Hand in den Mund, d.h. bedarfsorientiert und ist in hohem Maße durch äußere Zwänge (z.B. Zeitmangel, institutionelle Verpflichtungen, Abwesenheit, etc.) bestimmt.
Gegenstand des Projekts ist also einerseits die forschende Auseinandersetzung mit der Informationskompetenz von Fortgeschrittenen und andererseits die Konzeption und Erprobung geeigneter Methoden, um diese Zielgruppe beim Erwerb von Informationskompetenz zu unterstützen. Die Konzeption des Projektes zwischen diesen zwei Polen Forschung und Lehre soll gewährleisten, dass sich in der praktischen Erprobung der in der Theorie erarbeiteten Konzepte die in der Forschung gewonnenen Erkenntnisse auch bewähren können bzw. müssen. Umgekehrt sollen die in der direkten Umsetzung mit den Wissenschaftlern der Universität Konstanz gewonnenen Ergebnisse und Erfahrungen unmittelbar in die Forschungsarbeit einfließen. Diese Gegenseitigkeit von empirischen und heuristischen Methoden verspricht besonders fruchtbar zu sein, wenn es um die Erarbeitung tragfähiger bzw. machbarer Konzepte geht, die die Zielgruppe auch wirklich erreichen.
Das Projekt Informationskompetenz II orientiert sich dabei nicht nur an der Informationskompetenzforschung in Deutschland, sondern hat einen ausgeprägten internationalen Fokus. Mit der Chinesischen Akademie der Wissenschaften (CAS) in Wuhan pflegt das Projekt einen engen Kontakt. Der Austausch mit der dortigen Akademie-Bibliothek zielt hier vor allem auf die Frage nach der Vermittelbarkeit von Informationskompetenz bzw. die informationellen Rahmenbedingungen im Einsatz elektronischer Dienstleistungen aller Art vor allem aber in der Informationsversorgung von Wissenschaftlern. Ein weiterer Faktor für die Auseinandersetzung mit der Informationskompetenzforschung stellt eine Projektreise in die USA dar, wo wertvolle Erkenntnisse und best-practice-Beispiele gewonnen werden konnten. Innerhalb Deutschlands führt das Projekt Gespräche mit Informationsvermittlern und Bibliothekaren, um geeignete, auf die Zielgruppe abgestimmte Methoden zu ermitteln.
Neben diesen qualitativ erhobenen und standardisiert erfassten Daten stützt sich das Projekt auf eine quantitative Befragung von rund 300 Master-Studierenden und Doktoranden an der Universität Konstanz. Daneben wird die im Rahmen der Beratungs- und Lehrtätigkeit der Bibliotheksmitarbeiter entstandene Arbeitsbelastung und die eigene Lehrtätigkeit evaluiert. Kleinere Vergleichsstudien an anderen Institutionen sind geplant.
Auf der Basis dieser Ergebnisse sollen Aussagen über die Informationskompetenz von Fortgeschrittenen gemacht und neue Wege der Unterstützung dieser Zielgruppe beim Erwerb von Informationskompetenz konzipiert und erprobt werden.
Über den Fortschritt des Projekts wird auf dieser Website (siehe auch Publikationen) sowie in der Fachliteratur berichtet werden.