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Bibliothek

Neu erworbene Indianerliteratur

Der bisher schon bestehende Sammelschwerpunkt der Bibliothek in den Sprachen und Texten der nordamerikanischen Indianer konnte dank der guten direkten Beziehungen von Prof. Dr. Frans Plank, Allgemeine Sprachwissenschaft, sowie der Bibliothek zu Prof. Dr. Hans Christoph Wolfart von der University of Manitoba in Winnipeg weiter ausgebaut werden.

Im Rahmen der fächersystematischen Buchaufstellung  hat diese Literatur ihren Platz bei "Sonstige Sprachen und Literaturen" an den Systemstellen ssl 810 - ssl 841.

Linguistik, Wörterbücher, Erzählungen

Ende 2001 wurden 56 Bücher aus Kanada erworben: linguistische Studien und Wörterbücher zu den Algonkin-Sprachen, insbesondere zu Cree, Micmac und Ojibwa, aber auch zum Mitchif, einer Mischsprache aus Französisch und Cree, welche von der Mischbevölkerung der Metis gesprochen wird; ferner moderne autobiographische Berichte, Erinnerungen und Erzählungen, die meist zweisprachig gedruckt sind - im Falle der Cree-Literatur sogar auch noch in einer eigenen, ursprünglich von den Missionaren entwickelten Silbenschrift. Die Titel lauten so klangvoll wie z.B. "Kôhkominawak otâcimowiniwâwa = Our grandmothers' lives, as told in their own words", von Prof. Wolfart selbst im Jahre 1992 herausgegeben.

Der indianische Künstler Norval Morriseau (1932 - 2007) hat seine Ausgabe der Erzählungen "Legends of my people, the Great Ojibway" ( Toronto u.a. 1965; Signatur: ssl 840/m67) mit eigenen Bildern geschmückt. Zu Morriseau im Web siehe z.B.  "Norval Morrisseau and Medicine Painting".

religiöse Literatur

In antiquarischen und in neuen Ausgaben erworben wurden Bibelübersetzungen - z.B. "Le Nouveau Testament en langue Crise" (1872; Signatur: R 102/1) - , Psalmenausgaben, Gebet- und Gesangbücher sowie Katechismen. Das älteste Werk ist das handschriftliche Gebetbuch des französischen Jesuiten und Indianermissionars Claude Allouez (1620-1689) in der Sprache der Illinois, das im Jahre 1908 zur 300-Jahrfeier von Quebec faksimiliert wurde: "Facsimile of Père Marquette's Illinois prayer book" (R 102/4). llinois ist eine Sprache der Algonkin-Gruppe im Mittelwesten der USA. Zu Claude Allouez im Internet siehe "Allouez, Claude Jean".

Expeditionsberichte

Über den sprachlichen Bereich hinausgehend konnten die Publikationen einiger Expeditions- und Erkundungsberichte erworben werden, welche die Hudson's Bay Society im 18. und 19. Jahrhundert durchführte: "Northern Quebec and Labrador journals and correspondence 1819 - 35" (Signatur: gsh 957:q/d19), "James Isham's Observations on Hudsons Bay, 1743 and notes and observations on a book entitled A voyage to Hudsons Bay in the Dobbs galley, 1749" (Signatur: gsh 957:q/i84); "Saskatchewan journals and correspondence" (Signatur: gsh 957:q/j64). Darin sind neben geographischen und ethnographischen Beobachtungen auch Angaben zu den Pflanzen und Tieren im Gebiet des mittleren Kanada zu finden.

Ein besonders prächtiges Exemplar ist der "First Annual report of the Bureau of Ethnology to the Secretary of the Smithsonian Institution 1879/80" (R 56/1322-1), der im Auftrag des Kongresses erstattet wurde: Der 603 S. dicke Report enthält eine Fülle von Berichten zu den Sitten und Gebräuchen der nordamerikanischen Indianer, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf Tod und Bestattungswesen liegt - wohl wegen der Fremdartigkeit der Riten: Körperbestattung, Mumifizierung, Verbrennung, Totenhäuschen, Gerüst- und Baumbestattung, Kanubestattung sowie Totenopfer werden nicht nur geschildert, sondern auch mit Zeichnungen und ganzseitigen Lithographien eindrucksvoll illustriert!

Breiten Raum nimmt auch die Beschreibung und Abbildung der Zeichensprache ein, mit deren Hilfe sich Indianer unterschiedlicher sprachlicher Zugehörigkeit verständigen konnten, ohne dass einer die Sprache des anderen beherrschen musste.

Dr. Peter Christoph Wagner

Ansprechpartner

Ansprechpartner / e-mail:  Dr. Peter Christoph Wagner



Letzte Aktualisierung: 10.03.2011