Bibliothek der Universität Konstanz
 

Feliciano de Oliva e Souza, Tractatus de foro ecclesiae, Genf 1705 Signatur: R 56/391

Abb. 16 bietet eine eher ungewöhnliche Ansicht eines Buches: In den Buchblock sind am Fußschnitt Autorname und Titel eingeprägt. Dies läßt auch bei herausgerissenem Titelblatt eine Identifizierung des Buchs zu oder aber ermöglicht es, es auch liegend zu erkennen, so wie z.B. auf dem Kupferstich des Hl. Hieronymus (Abb. 14) ein Buch liegend auf dem Bord gelagert ist. Eine solche Prägung ist selten, aber nicht singulär.

Bei diesem Buch handelt es sich um ein kirchenrechtliches Werk, dessen Autor zur höheren Geistlichkeit in Portugal gehörte. Das Titelblatt (Abb. 17) ist typisch barock gestaltet: Die Angaben zum Autor und zum Inhalt sind weitschweifig. Die Schrift ist typographisch reich gestaltet. Die wichtigen Wörter sind in Rot als Auszeichnungsschrift sowie in Majuskeln von den übrigen herausgehoben. Demgegenüber sind die Füllwörter in kursiver Schrift gehalten. Besonders prächtig ist die Vignette, die allegorische Figuren - einen Feuersalamander inmitten der Flammen, Flußgötter sowie ein Medusenhaupt - in einem wuchernden Rankenschlingwerk zeigt.

Eine ähnliche Vignette mit einem Feuersalamander in Flammen findet sich bereits in dem im Jahre 1561 in Lyon erschienenen Werk "Dialogue des devises d'armes et d'amours" von Paolo Giovio auf der Seite 24 (Digitalisat: <http://ia700308.us.archive.org/25/items/dialoguedesdevis00giov/dialoguedesdevis00giov.pdf>, Zugriff 15.2.2011).

Auf dieses Buch trifft der viel zitierte Spruch "Habent sua fata libelli" gut zu: Erstmals im Jahre 1649/50 erschienen, wurde dieser "Tractatus" 1682 auf den päpstlichen Index der verbotenen Bücher gesetzt. Das Konstanzer Exemplar wurde allerdings nach dieser Indizierung, im Jahre 1705, in Genf gedruckt. Dies ist damit zu erklären, daß Genf seit der Mitte des 16. Jahrhunderts ein Zentrum des protestantischen Buchdrucks und Buchhandels war. Es galt als das protestantische Gegen-Rom des Nordens. So wollte man also mit dem Druck dieses indizierten Werkes dem Papst eins auswischen!

Auch de Olivas "Tractatus" weist eine Widmung auf - allerdings nur von einer Seite - , diesmal "Ad Lectorem benevolum", "an den geneigten Leser" (Abb. 18), worin hauptsächlich die Vorzüge des Werkes dem Leser angepriesen werden. Auffällig ist die Bordüre am oberen Rand, die in echt barocker Überfülle ein wucherndes Rankenrollwerk zeigt, das sich von einem mittleren Maskenkopf aus symmetrisch nach beiden Seiten erstreckt. Darin tummelt sich allerlei Getier: Hasen, Pferdeprotomen, Schlangen, Schnecken und kauernde, gehörnte Kobolde. Auch die große T-Initiale am Textbeginn ist mit Ranken reich geschmückt.

Ein Bild exotischer Wildnis bietet die Schmuckvignette am Schluß des "Index", des Inhaltsverzeichnisses, des ersten Teils (Abb. 19): ein Indianer mit zotteligem Fell und langen Haaren, bekleidet mit einem Bananenblätterröckchen, hockt am Rand eines Baches mit kleinen Fischen (Piranhas?) auf einem Felsblock und balanciert auf seinem Kopf einen großen geflochtenen Korb, der von Blättern, Ananas, Blüten und Blumen überbordet. Darunter sind auch zwei Tulpen, die seit 1559 in Europa bekannt sind. Ihre Beliebtheit nahm dann so zu, daß es in Holland in den Jahren 1633 - 1637 zu einer Tulpenzwiebel-Spekulation mit überhöhten Preisen bis zu 13.000 Gulden kam, die schließlich in einem katastrophalen Crash endete! ( vgl.: Anna Pavord, Die Tulpe, Frankfurt a.M. 1999; Mike Dash, Tulpenwahn, München 2000; André van der Goes, Tulpomanie. die Tulpe in der Kunst des 16. und 17. Jahrhunderts, Zwolle 2004). Gesäumt wird der Wilde Mann von zwei Tauben auf einem Baumstrunk mit Ölzweig im Schnabel.

Auch der Index des zweiten und des dritten Teils weist einen solchen Bordüren- und Vignettenschmuck auf, während der Text ansonsten schmucklos ist.