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Bibliothek

Sammlung Dufner

Die Privatsammlung von Dr. Wolfram Dufner, einem aus Konstanz gebürtigen Diplomaten, der zuletzt Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in der Schweiz war, kam aufgrund seiner persönlichen Kontakte zum damaligen Rektor Prof. Dr. Horst Sund und dessen Einsatzes in den Besitz der Universität und ist seit 1989 öffentlich ausgestellt. Die Universität, und damit die Öffentlichkeit, sind auf diese Weise in den Genuß privaten Sammelfleißes und Engagements gekommen.

Die Sammlung Dufner umfaßt mehr als 100 Objekte antiker Kleinkunst aus Kleinasien, Syrien und Zypern. Ihr zeitlicher Rahmen erstreckt sich über annähernd 3.000 Jahre - etwa von der Mitte des 3. Jahrtausends v.Chr. bis ins 5./6. Jahrhundert n.Chr. - und schließt die unterschiedlichsten Kulturen ein: die prähistorische Yortan-Kultur im Hinterland von Troja (ca. 2600 - 2300 v.Chr.), die hethitische (Abb. 1: hethitischer Stierkopf aus glasierter Keramik, Inv.Nr. 7, Höhe 12 cm) und syrohethitische Kultur (2. Hälfte des 2. Jahrtausends v.Chr.), die mykenische (Objekte des 13./12. Jahrhunderts v.Chr.), die griechische - Gegenstände des 8. - 1. Jahrhunderts v.Chr. (Abb. 2: Terrakottakopf des jugendlichen Dionysos aus Mysien, Inv.Nr. 61, Höhe 8 cm, 2. Jahrh. v. Chr.) - und die römische Kultur. Die beiden Hauptgruppen der Sammlung Dufner sind Keramikgefäße und Glasfläschchen in unterschiedlichster Formgebung und Ausprägung. Hinzu kommen Terrakottafigürchen, Bronzeobjekte, Tonlampen sowie Halsketten und Armringe aus Glas. Einige Objekte haben hohen Seltenheitswert wie z.B. die schwarze Schnabelkanne (Nr. 2) in Form einer stilisierten Ente aus der Yortan-Kultur, der hethitische Stierkopf aus Ton mit leuchtend rotem, glasiertem Überzug (Nr. 7), der mykenische Bronzefrosch (Nr. 16) oder die drei bunten Glasperlenketten (Nr. 107-109) aus hellenistischer Zeit (3. - 1. Jahrhundert v. Chr.).

Insbesondere der hethitische Stierkopf (Abb 1) ist ikonographisch von höchstem Interesse und soll deshalb hier gesondert vorgestellt werden: Es handelt sich um das Fragment einer ganzen Stierfigur. Das Wesen eines Stiers spricht unmittelbar aus dieser Darstellung, die zwar nicht naturgetreu ist, jedoch die charakteristischen Merkmale deutlich ausgeprägt zeigt: mächtige, gebogene Hörner, plastisch heraustretende Glotzaugen - die Pupillen waren ursprünglich aus anderem Material eingelegt - und geblähte Nüstern. Die Stirnhaare sind durch eingeritzte Zickzacklinien wiedergegeben. Unverständlich mutet auf den ersten Blick ein durch die Nase nach oben gezogener Ring und ein damit verbundenes, im Nacken aufliegendes Band an, beides in gelber Farbe gemalt. Ein Nasenring müßte doch nach unten hängen. Doch gerade dieses Merkmal sichert die Ergänzung und die inhaltliche Deutung des Stierkopfes: Zwei ganz erhaltene 90 cm hohe Tonstiere aus der Königsburg von Hattuscha belegen, daß es sich hierbei um ein aufgezäumtes Halfter handelt (vgl.: Kurt Bittel, Hattuscha, Hauptstadt der Hethiter (Köln 1983) 98f. Abb. 59. 60 Taf. 5) . Diese beiden Stiere bildeten ein Paar und sind als Zugstiere zu verstehen. Angaben in der hethitischen Literatur ermöglichen sogar eine genaue Identifizierung: Nach Kurt Bittel dürfte es sich um das heilige Stierpaar Scheri und Hurri des Wettergottes Teschup handeln, die den Wagen des Wettergottes ziehen. Auch der Stierkopf der Sammlung Dufner hat zu einem solchen religionsgeschichtlich und ikonographisch höchst bedeutsamen Stierpaar gehört, was seinen Seltenheitswert noch steigert.

Die Sammlung Dufner weist einerseits eine große Variationsbreite auf und ist andererseits eine Spezialsammlung, die in ihrer geographischen Ausrichtung in Deutschland Seltenheitswert hat. Bezeichnenderweise war sie von 1977-1986 als Leihgabe im "Liebieghaus, Museum Alter Plastik" in Frankfurt am Main aufbewahrt, wo die Vasen in das von der UNESCO betreute "Corpus Vasorum Antiquorum" aufgenommen wurden. Die Präsentation der Sammlung in der Bibliothek der Universität Konstanz hat kabinettartigen Charakter und läßt die einzelnen Kunstwerke, die oft - wie die fragilen Glasgefäße - Miniaturformat haben, besser zur Geltung kommen, als dies in einem großen Museum mit seiner Fülle an Objekten möglich ist.

Letzte Aktualisierung: 05.09.2006