Bibliothek der Universität Konstanz
 

Diderot - d'Alembert: Encyclopédie, Signatur: R 56/23

Die von Diderot und d'Alembert von 1751 bis 1780 herausgegebene 35-bändige "Encyclopédie, ou Dictionnaire raisonné des Sciences, des Arts et des Métiers" ist das Hauptwerk der Aufklärung und vereinigt das gesamte Wissen der damaligen Zeit in ca. 60.000 Artikeln, die mit Kupferstichen in 12 Tafelbänden reich illustriert sind. Annähernd 50 Autoren, darunter Montesquieu, Rousseau und Voltaire, arbeiteten an dieser Enzyklopädie mit. Die einzelnen Artikel sind, im Sinne einer Systematik, durch Sigeln, welche die übergeordnete Wissenschaft anzeigen, miteinander verflochten. 1759 wurden die bis dahin erschienenen sieben Bände wegen ihrer antiabsolutistischen und antiklerikalen Tendenz verboten. Diderot und d'Alembert setzten die Herausgabe daraufhin heimlich fort. Zur Irreführung der Behörden wurde Neufchastel (Neuchâtel) als angeblicher Druckort in den Bänden angegeben.

Die Enzyklopädie war auch wirtschaftlich ein Erfolg. Die Zahl der Subskribenten stieg von 1000 auf 4000. Nachdrucke erschienen bald auch im Ausland. Insgesamt wurden vor 1789 etwa 25.000 Exemplare in Europa gedruckt. Die Idee der Enzyklopädie steht in einer langen, bis auf die Antike zurückreichenden Tradition. Die Bezeichnung "Enzyklopädie" findet sich erstmals im 16. Jahrhundert in der Titelfassung einiger Schriften (vgl. dazu "Die Enzyklopädie im Wandel vom Hochmittelalter bis zur frühen Neuzeit", München 2002).

Einer der Schwerpunkte von Diderots "Encyclopédie" ist die Beschreibung und Abbildung des technischen Entwicklungsstands: Geräte, Werkzeuge, Maschinen, Handwerksbetriebe, Werkstätten werden genauestens beschrieben und ausführlich bis in die kleinsten Einzelheiten auf großformatigen Kupferstichen illustriert. Als Beispiel dient hier der Kupferstich mit den Werkzeugen zur Angelhaken-Herstellung (Abb. 25: Encyclopédie, Planches 8, Taf. 19). Selbst solche trivialen Alltagsdinge erscheinen hier durch die detailreiche, perspektivische Darstellung wie auf eine höhere Ebene gesetzt und monumentalisiert.

Im Bereich der Medizin finden sich z.B. anatomische Darstellungen und Schnitte durch den Leib. Auch Monumente der Kunst und Architektur werden behandelt und illustriert sowie die damals bekannten Ruinen des Altertums (vgl. dazu Peter Geimer, Die Vergangenheit der Kunst. Strategien der Nachträglichkeit im 18. Jahrhundert, Weimar 2002, S. 157-179). So zeigt z.B. ein Kupferstich (Abb. 26: Encyclopédie, Planches Suppl., Taf. 8) eine Idealrekonstruktion des Turms von Babel und darunter die -zu klein geratenen - Pyramiden von Gizeh mit der Sphinx. Den Turm von Babel hatte man schon immer als sich nach oben verjüngenden Stufenbau dargestellt - am bekanntesten auf dem Gemälde von Pieter Brueghel d.Ä. (1525 - 1569) - , was durch die moderne Wissenschaft auch tatsächlich bestätigt wird, die ihn als Zikkurat, als Tempelturm, rekonstruiert (vgl. z.B. Hansjörg Schmid, Der Tempelturm Etemenanki in Babylon, Mainz 1995). Einen guten online-Überblick bietet auch die Terra-X - Sendung Babylon Tower. Die Sphinx von Gizeh steckt noch bis zum Kopf im Sand, denn sie wurde erst im Jahre 1818 ausgegraben! Ihre Höhe beträgt jetzt immerhin 20 m! Die malerisch gekleideten Figuren im Vordergrund weisen daraufhin, daß Gizeh von den Mameluckenbeys als Sommerfrische bevorzugt wurde.

Konstanz ist mit einem eigenen Artikel ("Constance") in die "Encyclopédie" aufgenommen: der Schwerpunkt wird auf das Konzil von Konstanz gesetzt. Außerdem wird hervorgehoben, daß der Bodensee im Jahre 1596 zur Gänze zugefroren gewesen sei, so dass zwei Männer seine Länge mit 7 "deutschen Meilen" vermessen konnten, was - der badischen Meile mit 8,9 km gemäß - 62,3 km entspricht! Nach den modernen Berechnungen beträgt die Länge des Obersees 63,5 km. Interessanterweise liegt hier allerdings ein Fehler vor: 1596 gab es nämlich gar keine "Seegfrörne", worauf Prof. Dr. Kurt Brunner, München, hinwies. Vielmehr muß es lauten 1695 (vgl. die chronologische Zusammenstellung bei Werner Dobras, Seegfrörne, Konstanz 1992, Vorsatzblatt). Vermutlich durch einen Schreibfehler oder einen Zahlendreher beim Setzen wurde somit 1695 zu 1596!