Bibliothek der Universität Konstanz
 

Kaspar Bauhin, Pinax Theatri Botanici (Basel 1671) Signatur: R 88/223

Dieses Werk zeichnet sich zum einen durch sein typographisch schön gestaltetes Titelblatt aus (Abb. 11): Der ausführliche mehrgliedrige Titel ist im Wechsel zwischen Schwarz und Rot in Majuskeln - und zwar in gestaffelter Zeilenlänge - wiedergegeben, Füllwörter und attributive Beifügungen sind in Minuskeln oder kursiv gesetzt. Wie der Oder-Titel verrät, steht Bauhin mit seinem Werk in der Tradition der antiken Pflanzenbücher des Aristoteles-Schülers Theophrast, des Arztes Dioskurides und der Naturkunde des Plinius. Entsprechend dem Stil der Barockzeit darf auch ein Selbstlob nicht fehlen: "Opus XL annorum summopere expetitum" - 40 Jahre hat der Autor mit höchstem Eifer daran gearbeitet!

Darunter prangt die Druckermarke ( oder Signet) von Johann Rex bzw. König, der dieses Werk im Jahre 1671 in Basel auf seine Kosten drucken ließ. Das Signet ist das Emblem - modern gesprochen: das Logo - des Druckers. Es zeigt Symbole (Krone, Kränze, Steinmetzzeichen) und ein Motto: "Per Angusta ad Augusta" - "Durch die Mühsal hindurch zum Erhabenen". Die berühmteste Druckermarke ist der Anker mit Delphin von Aldus Manutius in Venedig (1490 - 1515). Daß Bauhin sein Werk "Theater" nennt, entspricht der Tradition: Seit Jean Bodins Werk "Universae Naturae Theatrum" (1596) bezeichnete man gelehrte Werke wie auch museale Sammlungen der Naturkunde und der Denkmälerkunde als "Theater". Es sei in diesem Zusammenhang auf die große Ausstellung "Theatrum naturae et artis - Theater der Natur und Kunst -Wunderkammern des Wissens zur Geschichte der Universitätssammlung der Humboldt-Universität in Berlin hingewiesen (dreibändige Buchausgabe unter dem Titel "Theater der Natur und Kunst", Berlin 2000-2001). Ein weiteres Exemplar des Basler Drucks von 1671 befindet sich im Rara-Bestand der ETH-Bibliothek in Zürich: R. Mumenthaler u.a., ... die Wahrheit in den Wissenschaften zu suchen (2003) S. 90f.

Kaspar Bauhin (1560 - 1624) war Professor der Anatomie und Botanik in Basel und bringt mit seinem 1623 zum ersten Mal erschienenen "Pinax theatri botanici" eine genaue Beschreibung und Klassifikation von 6000 Pflanzen. Er führte die binäre Nomenklatur ein und schuf mit dem "Pinax" ein grundlegendes Werk, das bis zur Pflanzensystematik von Linné 1735 Bestand hatte! Zahlreiche Holzschnitte illustrieren die Pflanzen, wovon hier in Abb. 12 (=Pinax Theatri botanici, liber quartus, S. 77) zwei Ansichten des Daucus, der Möhre, ein Beispiel geben sollen. Wurzel, Stamm, Triebe, Blätter, Blüten und Früchte sind die grundlegenden Merkmale, die exakt und deutlich wiedergegeben werden.

Mit Basel ist ein weiteres bedeutendes Zentrum des Buchdrucks seit 1500 im Rara-Bestand der Konstanzer Universitätsbibliothek vertreten.