Bibliothek der Universität Konstanz
 

Étienne Fourmont: Réflexions sur l'origine, l'histoire et la succession des anciens peuples (Paris 1747) Signatur: R 82/144

Das zweibändige erstmals 1735 erschienene Werk wurde 1747 in Paris in zweiter, verbesserter Auflage gedruckt. Das Titelblatt (Abb. 22) ist einfacher gestaltet als die bisher gezeigten Beispiele; nur unterschiedliche Größe der Buchstaben und der Zeilenlänge sowie Kursivschrift für die Autor- und Editionsangaben werden als typographische Stilmittel verwendet. Eine kleine Vignette als reines Schmuckemblem erscheint über den Druckangaben. Unter dem Erscheinungsjahr findet sich das königliche Druckprivileg ("avec Approbation et Privilège du Roy"). Ähnlich schmucklos wie das Titelblatt ist der Text; es findet sich nur ein spärlicher Buchschmuck in Form von Rankenbordüren, wofür hier die Bordüre über dem Beginn des zweiten Bandes gezeigt wird (Abb. 23).

Étienne Fourmont (1683 - 1745), dessen vielseitige Tätigkeiten vom Parlamentsadvokaten und Professor für Arabisch über Dolmetscher und königlicher Bibliothekar für die orientalischen Sprachen bis zum Mitglied mehrerer Akademien und gelehrter Gesellschaften reichten, war ein Sprachgenie: Er beherrschte Griechisch und Latein, die semitischen Sprachen sowie Chinesisch. Gute Kenntnisse hatte er auch im Türkischen, Persischen und Tibetischen. Daß er daneben auch mit den modernen europäischen Sprachen vertraut war, wird - als Selbstverständlichkeit - nur am Rande erwähnt! Seine breitgestreuten Interessen fanden ihren Niederschlag in 119 Schriften.

Die "Réflexions" sind keine eigentliche Geschichte der alten Völker, sondern eine Genealogie der Götter und mythologischen Figuren des klassischen Altertums und des Alten Orients, mit etymologischen Erklärungen zur Ableitung antiker Namen von orientalischen, sowie eine Chronologie der Könige und biblischen Figuren. Dementsprechend nehmen neben den Ausführungen Tabellen breiten Raum ein. Typographisch bemerkenswert ist die Verwendung griechischer und hebräischer Drucktypen, die in den in Antiqua gesetzten Text zur Bezeichnung der griechischen und der hebräischen Namen eingestreut sind. Da zu seiner Zeit weder die Keilschrift noch die Hieroglyphen entziffert waren, konnte sich Fourmont lediglich auf die Angaben und Zitate bei den klassischen Autoren stützen.

Besonders bemerkenswert ist, dass Fourmont auch die Dynastien der chinesischen Kaiser anführt, und zwar von ihren sagenhaften Anfängen im 3. Jahrtausend an bis zu seiner Zeit! In vertikalen Tabellen angeordnet, folgen - von den Dynastieangaben eingefaßt - die Namen der Kaiser in chinesischer Schrift, in Umschrift, ihre Regierungsjahre sowie das Datum des Regierungsantritts (Abb. 24: Réflexions, Bd. 2, S. 442). Die kalligraphischen Zeichen der chinesischen Schrift sind ein besonderer Schmuck in Fourmonts Werk. Drucktechnisch stellten sie eine Herausforderung dar. Vermutlich wurden sie mit Holzschnitten gedruckt, wobei sie mit den Tabellen in Einklang zu bringen waren. Abgebildet ist hier eine Seite aus den frühen Dynastien - "Chao" bedeutet "Dynastie". Dass Fourmonts Chronologie so nicht ganz stimmt, braucht bei der frühen Zeit nicht zu verwundern. Es ist vielmehr aufschlußreich, daß auch in jüngster Zeit das East Asian Center der University of Southern California in Los Angeles eine vergleichbare  Chronologie vertritt: China History (to Qing Dynasty). Fourmont hat somit eine für die damalige Zeit beachtliche Leistung erbracht.

Fourmont East Asian Center
Hia Chao : 2207 - 1767 v. Chr. Xia-Dynastie : 2100 - 1600 v. Chr.
Xam Chao : 1766 - 1123 v. Chr. Shang-Dynastie : 1600 - 1100 v. Chr.
Cheu Chao : 1122 - 249 v. Chr. Zhou-Dynastie: 1111 - 249 v. Chr.