Bibliothek der Universität Konstanz
 

Heinrich Rosenthall, Tractatus et synopsis totius iuris feudalis (Frankfurt am Main 1597 - 1600) Signatur: R 56/638

Alte Bücher sind nicht nur wegen ihres Inhalts oder ihrer Illustrationen wertvoll, sondern auch wegen ihres Einbands. Ein besonders prächtiges Beispiel hierfür ist das großformatige juristische Werk von Heinrich Rosenthall, dessen überreicher Einbandschmuck es gewissermaßen zu einem kunsthandwerklichen Meisterwerk macht (Abb. 9-10).

Im Stil der Renaissance schmücken rechteckige, ineinander gesetzte Rahmen mit Ranken und Rollwerk, einem Figurenfries aus Büsten sowie einer großen Rankenraute in der Mitte Vorder- und Rückseite des Leder-Einbands und lassen keine freie Fläche offen. Der Schmuck ist auf beiden Deckeln fast identisch. Bei den Figuren - durch den Strahlenkranz als Heilige gekennzeichnet - erkennt man trotz der Fülle, daß es nur vier verschiedene Typen sind, die sich wiederholen (Abb. 9). Eine Identifizierung ist wegen des abgegriffenen Zustands schwierig. Hier hilft jedoch der Vergleich mit anderen Renaissance-Einbänden weiter: Eine Durchsicht der Einband-Publikation der Nationalbibliothek von Luxemburg belegt, dass es sich um ein gängiges Repertoire der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts mit gewissem Schwerpunkt in Deutschland handelt, mit der Darstellung des Salvators und der Heiligen Petrus, Paulus und Johannes des Täufers: vgl. Émile Van Der Vekene, Reliures des XVIe et XVIIe siècles conservées à la Bibliothèque Nationale de Luxembourg (2000), Nr. 41, Nr. 55, Nr. 56; Nr. 57; Nr. 61. Die Inschriften unter den Büsten lauten:"Data est mi(hi omnis) ", "Tu es Petrus"; "Apparvit Beni(gnitas)"; "Ecce Agnus Dei". Die auffällige Palmettenrahmung begegnet typgleich zwar nur auf dem Einband Nr. 57, findet sich demgegenüber zur Einrahmung anderer Figuren oder Dekormuster bei weiteren Einbänden, vgl. Nr. 34, Nr. 37, Nr. 43, Nr. 48, Nr. 59, Nr. 60, Nr. 63, Nr. 64, Nr. 66 und Nr. 96. Auch die zentrale Rankenraute kommt auf anderen Renaissance-Einbänden vor: vgl. a.a.O. Nr. 54 oder auf dem Einband der 'Heidelberger Geomantie' von 1558 ( Kostbarkeiten gesammelter Geschichte. Heidelberg und die Pfalz in Zeugnissen der Universitätsbibliothek, hrsg. von Armin Schlechter, Heidelberg 1999, S. 170 Kat.-Nr. B 16 Farbtaf. 9).

Die Technik des Einbandschmucks erfolgte als sogenannte Blindprägung mit Metallstempeln und -rollen unter Hitzeeinwirkung in das Leder hinein, so daß ein richtiges Relief entstanden ist. Das Leder ist nur der Bezug. Die Deckel des Einbands bestehen aus Holz. Dies ist für voluminöse Renaissance-Einbände typisch. Mit seinen über 1500 Seiten ist dieser großformatige Band auf jeden Fall ein schwergewichtiges Werk! Charakteristisch auch die fünf schweren Bünde der Heftung des Buchblocks, die sich durch den Rücken durchdrücken. Vorne konnte der Band mit zwei Metallschließen verschlossen werden.

Frankfurt am Main war mit der Buchmesse vom 15. - 17. Jahrhundert vor Leipzig führend und ein Zentrum des Buchhandels. Außerdem war es seit dem späten 15. Jahrhundert mit zahlreichen Druckern auch ein Zentrum des Buchdrucks.