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BibTeX und Biblatex benutzen


BibTeX und Biblatex sind Zitiermodule für LaTeX, die in ihrer Mächtigkeit kommerziellen bibliographischen Programmen wie EndNote u.a. weit überlegen sind. Allerdings sind Sie sinnvoll nur in Kooperation mit LaTeX zu benutzen. Wenn Sie nicht wissen, was LaTeX ist, oder wenn Sie sich in LaTeX nicht einarbeiten wollen, lesen Sie erst gar nicht weiter.


1. BibTeX


BibTeX ist ein Programm, das bibliographische Daten, die in einem bestimmten Datenformat gespeichert sind, ausliest und mit dem Text eines Dokumentes (einer Hausarbeit, einer Dissertation, eines Buches...) verknüpft. Zur Verknüpfung dient ein "Zitierschlüssel", der durch den Befehl \cite{Zitierschluessel} in das Dokument eingebunden wird. Die eigentlichen bibliographischen Daten schreibt man dagegen nicht, sondern diese werden von BibTeX bei einem Kompilationsdurchlauf aus der BibTeX-Datei ausgelesen und gleich auch formatiert. Zur Formatierung stehen eine Fülle von Zitierstilen bereit, die beliebig eingebunden und beliebig gewechselt werden können.


Es gibt eine Fülle von Literatur zu LaTeX und BibTeX, auch im Internetz. Die nachfolgenden Ausführungen wollen nur die Grundidee festhalten. Wer mehr lesen will, findet einen guten Einstieg im englischen Wikipedia-Artikel zu BibTeX.


1.1 Die bibliographischen Daten im BibTeX-Format

Die bibliographischen Daten führt man alle in einer einfachen Datei beliebigen Namens, die die Dateiextension .bib erhält (z.B. bibliographie.bib). In dieser Datei stehen die genauen bibliographischen Informationen zu Büchern und Aufsätzen. Ein Eintrag für ein Buch sieht beispielsweise so aus:


@Book{Angehrn:Chaos,
  author =     {Angehrn, Emil},
  title =      {Die Überwindung des Chaos. Zur Philosophie des Mythos},
  shorttitle =      {Die Überwindung des Chaos},
  publisher =      {Suhrkamp},
  year =      {1996},
  address =     {Frankfurt am Main},
  annote =     {Mythos}
}

In diesem Beispiel steht "@Book" für den bibliographischen Eintrag zu einem Buch. "Angehrn:Chaos" ist der Zitierschlüssel, der im Text des zu schreibenden Aufsatzes, Buches usw. benutzt wird (Achtung: im Zitierschlüssel dürfen nur ASCII-Zeichen stehen, also kein ä, ö, ü und ß!). Die nachfolgenden Felder enthalten dann die detaillierten bibliographischen Informationen, das fakultative Feld "annote" enthält ein Schlagwort, um das Thema das Buches unabhängig von der Formulierung des Titels zu beschreiben.


1.2. Einbindung eines Zitats in den zu schreibenden Text

Im Text, den man schreibt, bindet man das bibliographische Zitat, das man als Beleg benutzen will, ganz einfach ein:


"...dies ist der Beispieltext meiner Hausarbeit, in dem ich nun an dieser Stelle (\cite[22]{Angehrn:Chaos}) einen Beleg einfügen will..."


Nach einem Kompilationslauf wird daraus eine dvi- oder ps- oder pdf-Datei erzeugt, die folgenden Text enthalten könnte:


"...dies ist der Beispieltext meiner Hausarbeit, in dem ich nun an dieser Stelle (Angehrn: Die Überwindung des Chaos, S. 22) einen Beleg einfügen will..."


Alternativ könnte der Beleg auch automatisch in eine Fußnote verschoben oder als alphanumerischer Zitierstil eingebunden werden. Das hängt davon ab, welchen Zitierstil man benutzen möchte. Wie das geht, finden Sie in aller Kürze hier erklärt. Eine Übersicht über die vorhandenen Zitierstile finden Sie hier.


Den für die Geistes- und Sozialwissenschaften inkl. Jura vielleicht wichtigsten Zitierstil stellt das Paket jurabib bereit, das in allen gängigen LaTeX-Distributionen (z.B. MikTeX) enthalten ist. Leider wird das Paket nicht mehr aktiv gepflegt. Es funktioniert aber noch vollkommen. Wer dennoch nach einer Alternative nach jurabib Ausschau hält, dem sei Biblatex nachdrücklich empfohlen.


2. Biblatex


Biblatex ist, technisch gesehen, eine Art Erweiterung zu BibTeX, wobei die Erweiterung BibTeX nur noch benutzt, um die bibliographischen Einträge zu sortieren. Alles andere, die Formatierung der Fußnoten und des bibliographischen Anhangs, ist komplett neu geschrieben und sehr mächtig! Sollte Biblatex bei Ihrer LaTeX-Installation fehlen, können sie es leicht im Internet über www.ctan.org finden und downloaden.


Das Programm kommt mit einem ausgezeichneten Handbuch als PDF-Dokument. Die nachfolgenden Hinweise sollen daher nur den Ersteinstieg in das Programm erleichtern helfen.


2.1. Einbindung von Biblatex


Biblatex wird als eigenes Paket in ein LaTeX-Dokument eingebunden. Das geschieht, wie üblich, im Kopf der LaTeX-Datei, etwa so:


*****Kopf der LaTeX-Datei*************

\documentclass[11pt]{scrartcl}
\usepackage[T1]{fontenc}
\usepackage[latin1]{inputenc}
\usepackage[german]{babel}
\usepackage{typearea}
\usepackage[style=authortitle-icomp]{biblatex}
\usepackage[babel,german=guillemets]{csquotes}
\bibliography{Pfad/zur/Bibliographie-Datei/Dateiname}

*****Ende des Dateikopfes*************


Uns interessieren hier nur die letzten drei Zeilen:


\usepackage[style=authortitle-icomp]{biblatex}

Damit wird das Biblatex-Paket geladen. Zusätzlich wird ein bestimmter Zitierstil geladen, nämlich "authortitle-icomp". Biblatex kommt von Haus aus mit rund 30 fertigen Zitierstilen, die den Standardzitierkonventionen der Wissenschaftsfächer nachgebaut sind. Wem das nicht genügt, der kann die vorhandenen Stile abändern oder neue erfinden.


\usepackage[babel,german=guillemets]{csquotes}

Damit wird das Paket "csquotes" geladen, das das Zitieren erleichtern kann, indem es einen einfachen Mechanismus für das Aussehen der Zitate bereitstellt, nämlich ob man Zitate in deutsche Anführungszeichen setzen oder ob man »Zitate in französische Anführungszeichen setzen« möchte. Im obigen Beispiel werden durch [babel,german=guillemets] die französischen Anführungszeichen gewählt.


Das Paket csquotes ist kein Muß. Da es aber auch die Anführungszeichen steuert, die Biblatex für die Formatierung von Fußnoten und Bibliographien benutzt, ist es sehr ratsam, das Paket einzubinden!


\bibliography{Pfad/zur/Bibliographie-Datei/Dateiname}

Mit dieser Zeile wird die Datei geladen, die die eigentlichen bibliographischen Daten enthält. Liegt die Datei im selben Verzeichnis wie die LaTeX-Datei mit dem Text des Aufsatzes (der Hausarbeit, der Dissertation ...), muß kein Pfad angegeben werden; es genügt dann die Angabe des Dateinamens.


An genau der Stelle, an der dann in Ihrem Dokument die eigentliche Bibliographie stehen sollen, schreiben Sie folgende magische Textzeile:


\printbibliography


Das war's. Mehr braucht es nicht, um mit Biblatex zu arbeiten!


2.2 Die Datei mit den bibliographischen Daten


Biblatex benutzt für die Sammlung bibliographischer Daten ein gegenüber BibTeX leicht erweitertes Dateiformat. Ein Eintrag für ein Buch sieht in Biblatex etwa so aus:


@Book{Loewith,
  author =     {Löwith, Karl},
  sortname =     {Loewith, Karl},
  title =      {Weltgeschichte und Heilsgeschehen. Die theologischen Voraussetzungen
                 der Geschichtsphilosophie},
  shorttitle =    {Weltgeschichte und Heilsgeschehen},
  publisher =      {Kohlhammer},
  year =      1990,
  location =     {Stuttgart},
  edition =     {8},
  annote =     {Geschichtsphilosophie, Eschatologie}
}


Im Unterschied zu BibTeX ist Biblatex in der Lage, Verfasser, in deren Namen Nicht-ASCII-Zeichen vorkommen (also etwa ä, ö, ü, ß) dadurch im bibliographischen Anhang richtig zu sortieren, daß man im Feld "sortname" den Verfassernamen in seine sortierrelevante Form umwandelt. "Löwith" wird also in "Loewith" aufgelöst, weil "ö" als "oe" sortieren soll (und nicht als "o" wie in amerikanischen Datenbanken).


Das Feld "shorttitle" gibt jene Zeichenfolge an, mit der das Dokument im Text des Aufsatzes zitiert werden soll (nicht im bibliographischen Anhang!. In unserem Beispiel soll also in den Fußnotenzitaten nicht Weltgeschichte und Heilsgeschehen. Die theologischen Voraussetzungen der Geschichtsphilosophie stehen, sondern nur Weltgeschichte und Heilsgeschehen. Alternativ dazu hätte man in unserem Beispiel den aus Titel und Untertitel bestehenden Text in zwei Datenfeldern ablegen können:


title = {Weltgeschichte und Heilsgeschehen},

subtitle = {Die theologischen Voraussetzungen
                 der Geschichtsphilosophie},


Auch in diesem Fall würde in den Fußnoten das betreffende Buch nur als Weltgeschichte und Heilsgeschehen zitiert werden, denn der "subtitle" wird in den Fußnotenzitaten standardmäßig nicht berücksichtigt.


2.3. Die Datei biblatex.cfg


Die Standardeinstellungen, mit denen Biblatex kommt, sind sehr gut. Dennoch wird man als Benutzer bald das eine oder andere Detail bemerken, das man gerne anders gelöst hätte. Z.B. könnte es sein, daß man im Fußnotenzitat gerne nach dem Verfassernamen einen Doppelpunkt statt eines Kommas hätte (also so: Eisenmann: Der Mann aus Eisen, S. 12). Biblatex setzt aber standardmäßig ein Komma:


1) Erster Fußnotenbelegt. Irgendwas.

2) Eisenmann, Der Mann aus Eisen, S. 12.


Wer nun für solche Details seine eigenen Zitiervorstellungen (oder die seines Professors oder seines Fachbereichs) berücksichtigen möchte, legt sich eine Datei namens biblatex.cfg an, die im lokalen (!) texmf-Baum im Verzeichnis biblatex abgelegt wird. Also etwa (auf einem Windows-System) hier:


c:/texmf-local/tex/latex/biblatex


In dieser Datei wird dann all das festgehalten, was man gerne anders formatiert hätte. Das ist im Detail hier nicht auszuführen, weil es ohne eingehende Vorablektüre des Biblatex-Handbuches nicht erklärt werden kann (und weil sich mir als Nichtprogrammierer auch gar nicht alle Möglichkeiten erschlossen haben). Es ist aber mit etwas Mühe durchaus machbar, Biblatex seine eigenen Zitiervorstellungen beizubringen.


Sie finden hier, um sich ein Bild von den Möglichkeiten, die Sie haben, eine kommentierte biblatex.cfg-Musterdatei, die Sie direkt übernehmen können! Diese Datei funktioniert für die aktuelle Biblatex-Version (1.6 vom Juli 2011), für ältere Versionen funktioniert sie nicht!


3. Einen eigenen Zitierstil erfinden


Biblatex ermöglicht es, einen oder mehrere eigene Zitierstile zu implementieren (und nicht nur in der Datei biblatex.cfg einige Änderungen am bereits vorhandenen vorzunehmen). Wer das tun will, findet im Biblatex-Handbuch zahlreiche Hinweise.


Speziell für die Bedürfnisse von Historikern hat Dominik Waßenhoven eigene Zitierstile implementiert.


4. Biblatex-FAQ


Dominik Waßenhoven hat eine FAQ für einige häufige Biblatex-Probleme zusammengestellt.


5. Hinweis


Die Bibliothek der Universität Konstanz kann leider keine Unterstützung für BibTeX und Biblatex bieten. Sie finden im Internetz aber leicht Diskussionsforen, die Ihnen weiterhelfen und auch komplizierte Fragen beantworten können. Ansonsten versuche ich trotz dieses Hinweises gerne, Ihnen beim Einstieg in BibTeX/Biblatex Fingerzeige zu geben.


Dr. Uwe Jochum

uwe.jochum(at)uni-konstanz.de

Tel. 882842


(Mit Dank an Dominik Waßenhoven für zahlreiche Fingerzeige!)


Internes:


latex-musterdatei.tex


latex-musterdatei-mit-erlaeuterungen.tex


Letzte Aktualisierung: 02.12.2011