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Bibliothek

iranisch-ägyptische Neuerwerbungen

Die im Buchbereich G der Bibliothek ausgestellte Sammlung antiker Kleinkunst der Universität hat durch eine Schenkung aus Privatbesitz im April 2000 eine bedeutsame Bereicherung erfahren, wofür auch an dieser Stelle ausdrücklich zu danken ist: Es handelt sich um zwei Keramikgefäße und ein Glasfläschchen aus dem alten Persien sowie um ein Gefäßfragment und ein Öllämpchen aus Ägypten. Sie sind mit den Inventarnummern 189 - 193 in der Vitrine auf Ebene G 6a ausgestellt (Abb. 5).

Die beiden persischen Tongefäße - ein 8 cm hoher Becher und ein 16 cm hoher Krug - erweisen sich durch ihre Machart und die präzise stilistische Formschönheit als zusammengehörig. Sie sind sehr dünnwandig und bestehen aus hellrotem bzw. hellbraunem, gemagertem Ton mit grauem bzw. dunkelrotem Überzug (z.T. abgeblättert). Formvergleiche legen eine Datierung ungefähr in die 2. Hälfte des 2. Jahrtausends bis ins frühe 1. Jahrtausend v. Chr. nahe. Der gute Erhaltungszustand der Gefäße lässt, in Parallele zu anderen Fällen, vermuten, dass sie zur Ausstattung eines Grabes gehörten. Sie stammen somit aus der prähistorischen Epoche Persiens, die durch verschiedene Fundstätten in unterschiedlicher Dichte belegt ist.

Das kleine nur 6 cm hohe, hellgrüne Glasfläschchen (Abb. 5 Mitte) nimmt durch seine doppelkonische, gerippte Form eine Sonderstellung in der antiken Glasproduktion ein. Solche Flacons dienten als Balsamarien, also zur Aufbewahrung wohlriechender Öle oder Salben. Am ehesten ist an eine Entstehung in spätantiker Zeit zu denken, wobei offen bleiben muss, ob es in Persien selbst entstand oder importiert wurde, z. B. aus Syrien oder Mesopotamien. Auf jeden Fall ist das neu erworbene Glasfläschchen bemerkenswert, denn antike Glasfunde sind in Persien (mit Ausnahme der Achämenidenzeit) eher selten!

Aus Ägypten stammt das Keramikfragment Abb.6 aus hellem Ton (max. Höhe 5 cm, max. Breite 8,4 cm). Auffällig ist der durchbrochen gearbeitete Dekor des Bodens in Form eines ineinander versetzten vierarmigen Kreuz- und Sternmusters mit Zickzackverzierung. Diese Dekoration ist sehr ungewöhnlich. Als Anhaltspunkt zur Bestimmung lässt sich allenfalls anführen, dass das Motiv zweier ineinander gesetzter Kreuze in der koptischen Kunst als Medaillonform auf Grabsteinen und Gebäudefriesen zu finden ist, was eine Datierung ungefähr ins 4. - 8. Jahrhundert n. Chr. vermuten lässt. Diese Einschätzung wird auch von Prof. Dr. Helmut Satzinger, dem Direktor der Ägyptisch-Orientalischen Sammlung des Kunsthistorischen Museums in Wien, geteilt. Seiner Meinung nach handelt es sich um ein Sieb. Herrn Prof. Satzinger sei für seine Stellungnahme herzlich gedankt!

In die Epoche des islamischen Mittelalters in Ägypten gehört schließlich die kleine Lampe aus grünglasiertem Ton (Höhe 7 cm, Breite 10 cm): Abb. 5 rechts. Sie diente als Öllämpchen. Der durch einen zylindrischen Aufsatz in der Mitte mit angesetztem vertikalen Rundhenkel (abgebrochen) und nach vorn gezogener tüllenförmiger Schnauze gekennzeichnete Typ war nicht nur in Ägypten, sondern auch im islamischen Nordafrika und dem maurischen Spanien verbreitet.

Die archäologische Sammlung der Universität ist  durch die neu geschenkten archäologischen Objekte um bisher nicht vertretene Kulturräume bereichert worden.

Letzte Aktualisierung: 05.09.2006