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Bibliothek

Mark A. Aldanov: Erstausgaben, Signatur: R 101/13 - R 101/16

Die Bibliothek der Universität Konstanz besitzt vier äußerst seltene Erstausgaben russischer Exilliteratur, die auf Grund ihrer starken Übersäuerung bereits im Stadium des Papierzerfalls waren und bei jeder Berührung zerbröselten.

Um sie zu retten, wurden sie Anfang Oktober 2000 buchstäblich in letzter Minute dem "Institut für Erhaltung von Archiv- und Bibliotheksgut" in Ludwigsburg übergeben, einer zentralen Institution des Landes, die bisher schon 31 Werke des Konstanzer Rara-Altbestands aufwendig restauriert hatte. In diesem Fall übergab das Institut für Erhaltung unsere Bände dem "Zentrum für Bucherhaltung" (ZfB) an der Deutschen Bücherei in Leipzig. Dort wurden die Bände zuerst in einer Naßbehandlung entsäuert. Dann wurde im Verfahren der Papierspaltung jedes Blatt einzeln gespalten, d.h. nach einer Behandlung mit Gelatine Vorder- und Rückseite auseinandergezogen, und wieder auf ein Trägerpapier aufgezogen. Die somit stabilisierten Blätter wurden mit Fadenheftung neu gebunden und mit einem Pappband als Konservierungseinband versehen, denn vorher waren sie nur broschiert. Um die Originale zu schonen, wurden vom Institut für Erhaltung Mikrofilme hergestellt, die als Ersatzmedium für die Benutzung dienen sollen.

Die aufwendige Restaurierung verursachte auch beträchtliche Kosten: bei einem Blattpreis von ca. 9,- DM belaufen sie sich auf 8662,- DM! Glücklicherweise werden diese Kosten im Rahmen des Landesrestaurierungsprogramms vom Institut für Erhaltung übernommen. Es versteht sich, dass ein so hoher Aufwand nur bei seltenen und wertvollen Büchern vorgenommen werden kann. Dies ist bei den vier Konstanzer Bänden in der Tat der Fall:

Es handelt sich um Erstausgaben des exilrussischen Autors Mark Aleksandrovic Aldanov (Kiev 1886 - Nizza 1957), für die Konstanz nach Ausweis der elektronischen Verbundkataloge Alleinbesitz in Deutschland bzw. in Baden-Württemberg hat!

1.Devjatoe termidora (= der neunte Termidor), Berlin, im russischen Emigrantenverlag Slovo, 1923;

2.Svjataja Elena malen'kij ostrov' (=Sankt Helena, eine kleine Insel), Berlin 1923; mit zahlreichen Lithographien bibliophil sehr schön ausgestattet;

3.Cortov' most' (=die Teufelsbrücke), Paris 1925;

4.Zagovor' (=die Verschwörung), Berlin: Slovo 1927. Diese vier Werke bilden unter dem Obertitel "Myslitel" (=der Denker) einen Zyklus historischer Romane zur Französischen Revolution, der Napoleonischen Zeit und den Befreiungskriegen.

Aldanov - sein wirklicher Name ist Landau - war im Jahre 1919 aus Russland, wo sein Erstlingswerk 1915 erschienen war, nach Paris emigriert. Dort erschienen ab 1919 und in Deutschland ab 1920 seine Erstausgaben, zuerst auf Russisch, dann auch auf Französisch bzw. Deutsch. Im Jahre 1941 emigrierte er in die Vereinigten Staaten. In Russland werden seine Werke seit dem Ende der 80er Jahre wieder neu aufgelegt. Aldanov gilt als Begründer des russischen historischen Romans.

Abb. 31 zeigt Aldanov nach einem Gemälde von Arnold Lachowsky, aus: Zeitgenossen, Schlieffen-Verlag Berlin 1929, Frontispiz.

Letzte Aktualisierung: 02.04.2012