| Internet-Dokumenteserver der Bibliothek der Universität Konstanz |
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Februar 1995
| Leitung: | Dr. Monika Kuhn Tel.: 0 75 31/88-21 49 |
| Mitwirkende Studierende: | Rainer Kehm, Suzanne Siek, Oliver Lange, Katharina Büsing |
| FG Psychologie, Sozialwissenschaftliche Fakultät D44 D-78457 Konstanz | |
| Werkstattbericht aus dem Anwendungsfach Pädagogische Psychologie / Fachgruppe Psychologie an der Universität Konstanz |
Inhalt Kapitel 1 Kapitel 2 Kapitel 3 Kapitel 4 Kapitel 5 Kapitel 6 Kapitel 7 Anhang
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Das Interesse der Berufstätigen im Sozialen Feld nach Supervision ist in den letzten Jahren sehr angestiegen. Auch die Bereitschaft vieler Träger, ihren Mitarbeitern Supervision in der Arbeitszeit zu gewähren und/oder diese zu finanzieren, läßt die Nachfrage nach qualifizierten SupervisorInnen steigen.
Mein eigenes jahrelanges Interesse an der "Themenzentrierten Interaktion" (TZI) von Ruth Cohn hat mich dazu bewegt, nach leicht vermittelbaren Supervisionsmodellen aus der TZI Ausschau zu halten und hierüber ein Fallseminar für Studenten im Anwendungsfach "Pädagogische Psychologie" anzubieten.
Das Ziel war, die einschlägige Literatur "Supervision nach TZI" zu
durchforsten, ein leicht vermittelbares Modell auszuwählen, dies in der Studentengruppe
zu erproben, um dann in der zweiten Hälfte des Semesters dieses Modell
"Externen", d.h. im sozialen Feld Tätigen, anzubieten. Hierbei hatten wir uns
das Ziel gesteckt, diesen Externen die ausgewählte Methode so zu vermitteln, daß sie sie
gleich in ihrem eigenen Berufsalltag anwenden können.
Wie wir vorgegangen sind, ist im Kapitel 2 beschrieben. Die verschiedenen ausgewählten
Methoden werden in Kapitel 3 dargestellt und zwar so, daß interessierte Leser in der Lage
sein müßten, die Methode selbst anzuwenden. Kapitel 4 enthält den Versuch, kurz und
zusammenfassend einige theoretische Grundlagen zu vermitteln. Im Kapitel 5 finden Sie
unsere Erfahrungen in der Erprobung mit Externen, in Kapitel 6 die Ergebnisse unserer
Literaturarbeit und ganz zum Schluß in Kapitel 7 die Stellungnahmen der einzelnen
Studierenden, was sie während dieses Fallseminars gelernt haben.
Ich selbst habe gelernt, wie ungeheuer hilfreich es ist, strukturierte Methoden zur Hand zu haben, wenn es um so schwierige Dinge geht wie Fallbesprechungen, Konflikte mit Mitarbeitern oder das Verstehen von komplexen sozialen Situationen. Mich hat die Arbeit begeistert, sowohl die Vorbereitungsphase mit einem sehr kooperativen Studententeam, wie auch die Durchführungsphase mit hochmotivierten Profis aus den verschiedensten sozialen Einrichtungen, die uns das Gefühl gaben, sehr zu schätzen, was wir ihnen vermitteln wollten.
Die Zusammenstellung unserer Arbeit und Erfahrungen in diesem Werkstattbericht soll es
anderen ermöglichen, eine leicht zu lernende Methode zur Verfügung zu haben, die sich in
vielerlei Gruppen mit den unterschiedlichsten Problemfeldern anwenden läßt. Jede (auch
leicht) zu erlernende Methode wird getragen von der professionellen Haltung dessen, der
sie anwendet. Die Anwendung wiederum von verschiedenen Methoden sowie deren kritische
Beurteilung im Einzelfall schafft Professionalität. Schritte in diese Richtung anzuregen
und zu begleiten, sehe ich als Aufgaben der Fallseminare im Anwendungsfach Pädagogische
Psychologie an.
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Es fanden sich 4 StudentInnen, die aus den unterschiedlichsten Gründen Interesse am Thema Supervision nach TZI hatten. Alle hatten in der einen oder anderen Weise bereits Gruppen geleitet, in sozialen Gruppen mitgewirkt oder in einem Team gearbeitet. Katharina Büsing brachte bereits Erfahrungen aus ihrem Praktikum in einer Frühförderstelle mit. Sie hatte dort u. a. auch Fallbesprechungen im Team kennengelernt. Vom Fallseminar TZI-Supervision versprach sie sich vor allem das Wissen für eine differenziertere Herangehensweise an zukünftige Fallbearbeitungen.
Suzanne Siek konnte an Erfahrungen in der SMV-Arbeit am Gymnasium, an Jugendarbeit im evangelischen Jugendwerk, an Leitung von Jugendfreizeiten und an ihre Einzel- und Teamarbeit im Praktikum in der Kinder- und Jugendpsychiatrie anknüpfen. Oliver Lange hatte während seines Zivildienstes bei der individuellen Betreuung Schwerstbehinderter bereits Erfahrung mit Supervision gesammelt. Er engagiert sich in einer Schwulengruppe und verfügt über Vorerfahrungen aus einer Selbsterfahrungsgruppe mit wechselnder Leitung durch die Gruppenteilnehmer. Rainer Kehm brachte Erfahrungen in Supervision und Gruppenleitung aus seiner Tätigkeit als Sozialpädagoge mit, darüberhinaus ebenfalls in der Einzel- und Teamarbeit aus einem Praktikum in der Kinder- und Jugendpsychiatrie.
Die StudentInnen waren auch deshalb am Thema TZI-Supervision interessiert, weil sie sich "Handwerkszeug"; für ihre zukünftige Arbeit als DiplompsychologInnen versprachen.
Frau Kuhn hatte bereits einige Vorarbeit geleistet und eine Literaturliste erstellt. Sie hatte darin Titel zur Supervision und zur Themenzentrierten Interaktion (TZI) aufgenommen. Daneben auch solche, bei denen eine Verbindung von Supervision und TZI bestand. Die Literatur wurde unter den StudentInnen gleichmäßig zur Durchsicht und Bearbeitung verteilt. Es wurden jedoch insgesamt nur eine Auswahl an Titeln aus dem Literaturverzeichnis bearbeitet. Jede/r StudentIn bereitete ihren/seinen Literaturteil anhand eines Literaturerfassungsbogens auf. Es wurden alle bearbeiteten Bücher und Artikel in der Gruppe vorgestellt und besprochen. Die gesamte Literaturliste befindet sich am Ende dieses Werkstattberichtes.
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Von Anfang an standen drei verschiedene Supervisionsmodelle im Zentrum unseres Interesses:
a) Die Stufentechnik der Supervision von Wulf-Volker Lindner/Annelise Heigl-Evers
b) Das Modell (die Technik) der Selbstsupervision von Matthias Kroeger
c) Das Modell der TZI-Supervision von Sybille Ratsch und Helmut Reichert
Die einzelnen Supervisionsmodelle wurden von allen TeilnehmerInnen gelesen und anschließend gemeinsam besprochen, wobei von Sitzung zu Sitzung abwechselnd ein/e StudentIn die Leitung der Besprechung übernahm. Die beiden erstgenannten Modelle wurden innerhalb der Gruppe ausprobiert. Zur Besprechung der Texte von Heigl-Evers und Lindner wurde z. B. bereits die darin vorgestellte Stufentechnik der Supervision angewandt. Rainer Kehm brachte einen eigenen Supervisonsfall aus seiner Tätigkeit als Sozialpädagoge in einem Kinderheim ein, der mittels der Methode von Heigl-Evers bearbeitet wurde. Da auch gleichzeitig ein Supervisonsfall von Suzanne Siek eingebracht wurde, konnte umgehend das Entscheidungsspiel (siehe Kapitel 3.1)) praktisch erprobt werden. Mit einer Gruppe von Studierenden, die sich in der Vorbereitungsphase auf die schriftliche Fallklausur im Fach Pädagogische Psychologie befand, wurde das Modell von Lindner/Heigl-Evers noch einmal praktisch erprobt und die Erfahrungen zusammengetragen. Im Anschluß an die Erprobungsphase wurde von uns die Entscheidung darüber getroffen, welche Supervisonsmodelle wir an eine externe Zielgruppe vermitteln wollten. Diese Entscheidung fiel zugunsten eines kombinierten Stufenmodells der Supervision nach Lindner/Heigl-Evers und der Selbstsupervision nach Kroeger aus, da bei der Besprechung und Erprobung des 3. Modells von Ratsch und Reichert deutlich geworden war, daß die Anwendung desselben sowohl eine Ausbildung in Themenzentrierter Interaktion (TZI) als auch Erfahrung mit dieser Arbeitsmethode voraussetzt. Ein weiteres Modell von Raguse-Stauffer/Raguse wurde besprochen. Eine ausgearbeitete Üungsvorlage befindet sich im Anhang.
Basis für diese Entscheidung waren unsere Meta-Runden, die wir jeweils im Anschluß an unsere praktische Erprobung eines Modells in der Gruppe durchführten. Diese Meta-Runden liefen immer nach demselben Muster ab. Die Gruppenteilnehmer tauschten ihre Plätze, um aus der Teilnehmerrolle in eine kollegiale Mitarbeiterrolle zu wechseln.
Folgende Punkte sollten beachtet werden:
Über jede Sitzung wurde abwechselnd ein ausführliches Protokoll verfaßt.
Von Anfang an hatten wir geplant, unser erworbenes Wissen und unsere Erfahrungen mit den erarbeiteten Supervisonsmodellen in Form einer Fortbildungsveranstaltung an 4 Terminen im Januar 1995 an eine externe Zielgruppe weiterzuvermitteln.
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| Ziele: | Es soll zu Beginn einer Supervisionssitzung entschieden werden, wer welches Thema bearbeiten möchte. |
| Dauer: | 10 bis 30 Minuten |
| Material: | runder Tisch |
| Form: | Plenum |
| Vorgehen: | Jeder wird gebeten, zu überlegen, ob er/sie ein Thema hat, das er/sie in der
Supervision bearbeiten möchte. Je nach Dringlichkeit/Wichtigkeit legt der/diejenige einen
persönlichen Gegenstand (Uhr, Ring, Armband etc.) auf den Tisch. Die Dringlichkeit/Wichtigkeit wird in der Entfernung des Gegenstandes zum Mittelpunkt ausgedrückt, so daß sehr dringliche Themen genau in die Mitte des Tisches zu legen sind, weniger dringliche mehr an den Rand. Die/der SupervisorIn fragt jedes mal nach, ob die Position so für den/die Betreffende/n stimmt. Will jemand einen Gegenstand legen, so soll er/sie kurz in zwei, drei Sätzen das Thema schildern. (Achtung: Nicht ausufern lassen!) Darauf achten, daß jedeR der TeilnehmerInnen beachtet wird und die Chance hat, etwas auf den Tisch zu legen. Haben mehrere Personen ihre Gegenstände gelegt, werden sie von der Supervisorin aufgefordert, untereinander, manchmal auch mit Hilfe der Gruppe, zu entscheiden, welches Thema als erstes bearbeitet wird. Ist Zeit für weitere Themen, wird die Reihenfolge der Bearbeitung gemeinsam bestimmt. |
| Instruktion: | "Ich möchte Sie bitten, zu überlegen, ob Sie heute ein Thema in die
Supervision einbringen möchten, das wir bearbeiten sollen. Vielleicht haben Sie ja schon
eins mitgebracht, vielleicht hat es sich gerade im Moment erst ergeben. Ist es Ihnen sehr
wichtig und dringlich, legen sie bitte einen persönlichen Gegenstand, der für das Thema
steht, nahe zum Mittelpunkt des Tisches. Ist es Ihnen weniger wichtig, so legen Sie den
Gegenstand näher zum Rand des Tisches. Bestimmen Sie die Position Ihres Gegenstandes in
der Entfernung zum Mittelpunkt so, daß es für Sie stimmt." |
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| Bitte erläutern Sie kurz in wenigen Sätzen, um was es geht, damit wir
alle Bescheid wissen und anschließend gemeinsam abwägen, welches Thema heute dran
kommt." Bei mehreren Themen: "Wie können wir gemeinsam entscheiden, welches Thema wir als erstes behandeln?" |
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| Kommentar: | Diese Methode funktioniert erstaunlicherweise immer hervorragend. Die TeilnehmerInnen einigen sich meist untereinander zur Zufriedenheit aller. Falls keine Entscheidung zustandekommt, da zwei Themen gleichrangig nebeneinander stehen, ist es manchmal sinnvoll, die Gruppenmitglieder um Stellungnahmen zu bitten, dies kann durch kurze Kommentare geschehen wie auch dadurch, daß jedeR der TeilnehmerInnen selbst einen Gegenstand zu dem Thema legt, das ihn/sie heute am meisten interessiert. |
| Quelle: | Dr. Monika Kuhn |
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| Ziele: | Entspannung, Konzentration, Ankommen, Themeneinstimmung, Bewußtmachen |
| Dauer: | Zwischen 5 und 10 Minuten |
| Material: | Keines |
| Form: | Kleingruppe oder Plenum |
| Instruktion: | Der Text kann beliebig variiert, erweitert oder auf andere Weise an die
Einsatzsituation angepaßt werden. Beispieltext: Ankommen
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| Kommentar: | Die/Der Vortragende sollte sich bei seinem Vorgehenstempo in die ZuhörerInnen einfühlen. Sowohl zu langsames, als auch zu schnelles Vorgehen wird von den TeilnehmerInnen negativ erlebt. Das "Ankommen" eignet sich gut für die ersten Sitzungen einer Fortbildungsveranstaltung, solange sich die Teilnehmer noch wenig kennen. Später kann zum "Entspannen" gewechselt werden. Sie finden eine Vorlage zum "Ankommen" im Anhang des Werkstattberichtes. |
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| Ziele: | Unterschied zwischen Anspannung und Entspannung wahrnehmen lernen; Konzentrationsfähigkeit verbessern sowie auf die kommende Sitzung vorbereiten; Zugang zu eigenen positiven Erlebnissen fördern |
| Dauer: | ca. 8 Minuten (ohne Traumreise), ca. 13 Minuten (mit Traumreise) |
| Material: | Keines |
| Form: | Plenum |
| Vorgehen: | Den Teilnehmern wird der Zusammenhang zwischen Entspannung und Konzentration erklärt. Ihnen wird freigestellt, dem Entspannungsangebot zu folgen oder diese kurze Zeit still dasitzend für sich zu genießen. Je nach verfügbarer Zeit kann das Entspannungstraining mit oder ohne Traumreise durchgeführt werden. |
| Instruktion: | - mache es Dir auf Deinem Stuhl bequem - achte darauf, daß beide Fußsohlen den Boden berühren - wenn Du magst, schließe die Augen - rufe Dir ins Bewußtsein, daß Du atmest - atme ein paar Mal tief ein und jedes Mal, wenn Du ausatmest, sprich im Stillen das Wort "entspanne" - konzentriere Dich jetzt auf Dein Gesicht und spüre die Spannung in Deinem Gesicht und um die Augen - stelle Dir diese Spannungen bildlich vor, z. B. als geballte Faust - und jetzt, stelle Dir weiter bildlich vor, wie sie lockerer und lockerer wird, bis sie sich wie ein leerer Handschuh anfühlt - fühle, wie sich Dein Gesicht und Deine Augen entspannen - fühle, wie sich die Entspannung wie eine Welle über Deinen ganzen Körper ausbreitet - jetzt, presse die Augenlider fest aufeinander und spanne dabei Deine Gesichtsmuskeln - nun, entspanne sie wieder - und jetzt, spüre, wie sich die Entspannung Deinem ganzen Körper mitteilt - nun, spüre langsam Deinen Körper, bis jeder Körperteil völlig entspannt ist - stelle Dir jedes Mal die Spannung bildlich vor und wie sie sich langsam löst... im Kiefer - im Hals - in den Schultern - im Rücken - in den Oberarmen - in den Unterarmen - in den Händen - in der Brust - im Bauch - im Unterleib - in den Oberschenken - in den Waden - in den Füßen - so, wie Du Dich jetzt fühlst, ist es gut |
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Traumreise - stelle Dir vor, Du befindest Dich in einer schönen Gegend, wo immer es Dir gefällt |
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| - werde Dir ganz langsam wieder bewußt, daß Du Dich hier in diesem Raum befindest -
öffne langsam wieder die Augen, falls Du sie geschlossen hattest. - atme tief ein und strecke Dich - vielleicht bist Du jetzt bereit, aufmerksam dem heutigen Nachmittag/Morgen beizuwohnen |
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| Kommentar: | Es hat sich bewährt, die Entspannungsübung nur als Möglichkeit, nicht als Verpflichtung, anzubieten. Das "Entspannen"; sollte nicht zu Beginn einer Fortbildungsveranstaltung, solange sich die Teilnehmer noch kaum kennen, eingesetzt werden. Es empfiehlt sich mit dem "Ankommen"; zu beginnen und erst in späteren Sitzungen zum "Entspannen"; zu wechseln. Sie finden eine Vorlage zum "Entspannen"; im Anhang des Werkstattberichtes. |
| Literatur: | Simonton, Carl, Matthews-Simonton, Stephanie, Creighton, James: Wieder gesund werden.
Eine Anleitung zur Aktivierung der Selbstheilungskräfte Reinbek: Rowohlt, 1987 |
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| Ziele: | Verstehen üben, vertiefen, verbreitern, in lernzielorientierten Arbeitsgruppen (Verstehen = Vorgang, der Wahrnehmung, Gefühle, Einfälle und rationale Schlußbildung umfaßt) |
| Dauer: |
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| Material: |
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| Form: | Plenum oder mehrere Kleingruppen simultan |
| Vorgehen: | Aufgaben des/der Leiters/in:
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| Instruktion: | "Ich möchte Ihnen heute ein Gruppenarbeits-Modell vorstellen, das ursprünglich aus der Supervisionssituation in der Ausbildung von Psychotherapeuten stammt. Mit diesem Modell können Texte, Fälle oder Situationen, die einem in der Arbeit Probleme bereiten, bearbeitet werden. Nach diesem Modell möchte ich heute mit Ihnen zusammen ein Märchen/einen Fall etc. besprechen. Es ist eine Gruppenmethode die folgendes Lernziel hat: Verstehen soll geübt werden. Verstehen ist nach unseren Erfahrungen immer aus verschiedenen "Bausteinen" zusammengesetzt: Erstens aus dem, was wir hören und wahrnehmen und zweitens aus unseren Gefühlen. Wenn ich etwas höre und sehe, ist dies von Gefühlen begleitet und löst in mir Einfälle aus, erinnert mich an bereits Erlebtes, Gesehenes, Gelesenes. Jeden Tag können wir die Erfahrung machen, wie schnell sich Einfälle einstellen und unser Verstehen bestimmen. Unser Verständnis von dem Wahrgenommenen ist also Ergebnis des Zusammenspiels |
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| dieser drei Elemente, Wahrnehmungen, Gefühle und Einfälle. Im Alltag sind oft
schnelle Entscheidungen gefragt und wir haben keine Zeit diese "Bausteine"
Wahrnehmung, Erleben und Einfälle voneinander zu trennen. Sie sind ineinander verwoben.
Nur wenn wir darüber nachdenken, sind sie von einander zu scheiden und ist ihre
Beteiligung am rationalen Schlußbildungsprozeß zu bemerken. Da es uns in diesem
Gruppenarbeits-Modell aber gerade darum geht, Verstehen zu üben, wollen wir aus
didaktischen Gründen den Verstehensprozeß auseinanderlegen. Denn nur wenn ich die
Elemente des Verstehensprozesses kenne, kann ich sie auch überprüfen und üben und so
vielleicht Mißverständnisse und Fehlschlüsse vermeiden. Um mit dieser Methode das
Verstehen zu üben, werden wir uns die Bausteine also einzeln vornehmen und sie erst
abschließend wieder zu einem Ganzen zusammenfügen. Ich stelle Ihnen jetzt unsere
Arbeitsschritte vor, werde Ihnen aber nachher vor den einzelnen Schritten auch noch mal
eine Einführung geben. 1. Ich möchte Sie als erstes anregen, etwa 15 bis 20 Minuten lang, mit mir und den anderen zusammen all das zusammenzutragen, was Sie wahrgenommen, also gehört und gesehen haben. Wir werden zunächst alle Wahrnehmungen sammeln , wichtige und weniger wichtige; sortieren können wir später. Dann können wir aufgrund des größeren Überblicks viel besser beurteilen, was für uns wichtig ist und was nicht und außerdem würde vor lauter Abwägen unsere Produktivität auf der Strecke bleiben. Unsere Beiträge werden wir alle in Stichworten und gut leserlich auf gelbe Kärtchen schreiben, die ich Ihnen nachher austeilen werde. Nach einer ersten Schreibphase von ca. 5 bis 10 Minuten werden wir die Kärtchen zusammentragen. Wer möchte, wird eines seiner Kärtchen laut vorlesen und ich werde es dann an die gewüschte Position auf unserer Stellwand anbringen. Dann können alle Teilnehmer so nach und nach Ihre Kärtchen beitragen. 2. Nach etwa 15 bis 20 Minuten, oder aber auch schon früher, wenn wir meinen, daß wir ausreichend viele Wahrnehmungen zusammengetragen haben, werde ich Ihnen eine erneute Anregung geben und Sie bitten, das Erleben, die Gefühle, die sich einstellten, während Sie vorhin zuhörten, diesmal auf rote Kärtchen zu schreiben. Auch hier wird erst alles gesammelt und erst in einem späteren Schritt ausgewählt. Wichtig ist, hier sind alle Gefühle erlaubt, es gibt also keine "richtigen" oder "falschen" Gefühle. 3. Wenn wir dies 15 bis 20 Minuten getan haben, werde ich Ihnen eine dritte Anregung geben und Sie auffordern, die Einfälle und Assoziationen, also das, was Ihnen beim Zuhören so durch den Kopf gegangen ist, was Ihnen dazu eingefallen ist auf grüne Kärtchen zu schreiben. |
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| Wenn wir unsere Einfälle dann in gleicher Weise wie unsere Wahrnehmungen und unser
Erleben zusammengetragen haben, können wir dazu übergehen, das Material, das wir
auf der Pinnwand vorfinden, zu sichten. Sie werden bemerken, daß wir eine Fülle
von Material zusammentragen können. Wir werden im Prozeß des Zusammentragens weiterhin
bemerken, welchen Vorteil es hat, dies in einer Gruppe zu tun, denn zusammen werden wir
produktiver als allein sein. Meine Aufgabe wird darin bestehen, die einzelnen Schritte zu
erklären, Fragen zu beantworten und der Gruppe zu helfen, zunächst bei den
Wahrnehmungen, dann bei den Gefühlen und zuletzt bei den Einfällen zu bleiben (was nicht
immer einfach ist und einiger Übung bedarf). (Wenn wir dann noch Zeit und Lust haben, können wir anschließend zu den beiden letzten Phasen 4. und 5. übergehen. Hier werden dann auf der Basis der ersten drei Stufen Schlußfolgerungen gezogen und als letzter Schritt Interventionsmöglichkeiten für ein weiteres Vorgehen entwickelt). Ich hoffe, daß ich dieses Gruppenarbeits-Modell Ihnen einführend ein wenig verständlich machen konnte. Ich denke, wenn wir einfach einmal damit anfangen, kann sich mit der Zeit jedeR ein Bild davon machen, was es heißt mit dieser Methode zu arbeiten und kann später für sich entscheiden, ob diese Methode ihm/ihr geeignet erscheint, um sie auch einmal selbst mit einer Gruppe anzuwenden. Wenn wir jetzt das Märchen, den Fall etc. gehört haben, werde ich Ihnen die Einführung in die dann folgende erste Stufe noch einmal geben." zum 1. Durchgang "Wahrnehmungen" "Ich möchte Sie anregen, jetzt aufzuschreiben und zusammenzutragen, was Ihnen beim Hören (Ansehen) aufgefallen ist. Ich möchte Sie weiter anregen, im Augenblick nur das zu sammeln, was Sie wirklich gehört und gesehen haben. zum 2. Durchgang "Gefühle" Ich möchte Sie jetzt anregen, auf die Kärtchen zu schreiben, was Sie beim Hören (Ansehen) des ... gefühlt und erlebt haben. Wir werden gleich miteinander erleben, daß es gar nicht so leicht ist, Gefühle zu benennen. Ich denke aber, daß wir es zusammen leichter als allein können. Nach unseren Erfahrungen ist das Aussprechen und noch viel mehr das deutliche Benennen von Gefühlen für viele Menschen sehr schwierig. Dafür gibt es verschiedene Ursachen, u.a. die in unserer Kultur überwiegende Tendenz, über Gefühle lieber zu schweigen. Dies schlägt sich dann in der weit verbreiteten Unfähigkeit nieder, Gefühle benennen, beschreiben und plastisch ausdrücken zu können." |
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| zum 3. Durchgang "Einfälle" "Ich möchte Sie nun anregen, alle Einfälle - seien es noch so kleine und scheinbar unwichtige - aufzuschreiben, die Sie vorhin gehabt haben oder die Ihnen inzwischen noch gekommen sind. Vielleicht erinnerte Sie das Gehörte/Gesehene an etwas, was Sie schon mal erlebt, gehört, gelesen haben." zum 4. Durchgang "Schlußbildung" "Wir haben sehr viel Material, sehr viele Bausteine zusammengetragen. Nun möchte ich Sie anregen, dieses Material zu verwerten und zu versuchen, Wahrnehmungen, Erleben und Einfälle miteinander zu verknüpfen. Es sind unzählige Schlußbildungen möglich. Bitte versuchen Sie es einmal." zum 5. Durchgang "Interventionen"; "Im letzten Schritt wollen wir nun versuchen, aus den vorhergehenden Phasen, vor allem aus der Stufe 4 (Schlußbildungsphase) Interventionen, also Handlungsmöglichkeiten für diese Situation, zu entwickeln."; |
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| Kommentar: | Störungen vermeiden, z.B. durch Beachten folgender Punkte:
Darauf achten, daß nicht voreilig Schlüsse gezogen werden! Widerstände gegen diese Art von Arbeit ergeben sich besonders bei folgenden Gruppen:
Es empfiehlt sich, zu Beginn zu fragen, welche Vorerfahrungen in der Gruppe bestehen. |
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| Vorteile des Modells: | |||||||||||
Vorteil gegenüber der Balint-Methode:
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| Nachteile des Modells: | |||||||||||
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| Zusätzliche Kommentare, die sich aus unserer eigenen Anwendung ergeben haben: | |||||||||||
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Seite 16
| Kommentar zum Gruppenleiten allgemein: | |||||||||||
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| Quelle: | |
| Lindner, W.-V.: | Kreative Gruppenarbeit nach dem Göttinger Stufenmodell. Eine Anleitung zur Arbeit an
Texten, zur Vorbereitung und Nacharbeit von Predigten, Unterrichtsstunden und anderen
Projekten in Gruppen unterschiedlichster Art. In: Werkstatt Predigt (1974), 10, S. 2-14. |
| Heigl-Evers, Annelise: | Die Stufentechik der Supervision - eine Methode zum Erlernen der psychoanalytischen
Beobachtung- und Schlußbildungsmethode im Rahmen der angewandten Psychoanalyse In: Gruppenpsychotherapie und Gruppendynamik (1975) , 9, S. 43-54. |
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| Ziele: |
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| Dauer: | 10 bis 30 Minuten pro Kategorie |
| Material: |
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| Form: |
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| Vorgehen: |
ICH:
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Seite 19
Dies alles nur anschauen, bewußtmachen, aufschreiben; nichts verändern, nichts
tadeln, nur erinnern und wahrnehmen. WIR:
THEMA:
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| STRUKTUR: Die Abfolge der verwendeten oder spontan entstandenen/ungeplanten Strukturformen werden notiert.
War die Struktur helfend? Lähmend? Anregend? |
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| Kommentar: |
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| Kommentar aus eigener Anwendung/Erfahrung: | |
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| Quelle: | |
| Kroeger, Matthias: | Themenzentrierte Seelsorge. Über die Kombination klientenzentrierter und
themenzentrierter Arbeit nach Carl R. Rogers und Ruth C. Cohn in der Theologie. Stuttgart: Kohlhammer. 1973, 3. Auflage S. 229 - 258. |
| Dr. Monika Kuhn | FS TZI-Supervision/Handout, Selbstsupervision/Ich |
ICH
1. Wie erging es meinem Ich als Leiter/Teilnehmer in dieser Sitzung?
- Davor (bei der Vorbereitung)?
- Zwei Minuten vor Beginn?
- Bei der Einleitung/Einführung?
- Fühlte ich mich wohl? offen? körperlich entspannt?
- Wie war meine Stimmungskurve während der Stunde?
- Wie fühlte ich mich nach der Sitzung?
2. Wie ging es meinem Ich mit den anderen?
- mit Einzelnen?
- mit der Gruppe als Ganzer?
3. Wie ging es meinem Ich mit dem Thema?
War es schön? lastend? zäh? ergiebig?
4. Wie ging es meinem Ich mit der Struktur?
L: War ich selber gern in der von mit vorgegebenen Struktur?
L: Wäre ich als Teilnehmer gern in ihr gewesen?
L: Habe ich sie nur den anderen verordnet und mich als Leiter herausgehalten?
L: Wie ging es mir als Teilnehmer mit der Struktur?
Dies alles nur anschauen; bewußtmachen; aufschreiben; nichts verändern; nichts tadeln; nur erinnern und wahrnehmen.
| Dr. Monika Kuhn | FS TZI-Supervision/Handout, Selbstsupervision/WIR |
WIR
Wie habe ich die Menschen in der Gruppe erlebt?
1. Betrchtung von Einzelnen (oder auch solchen, die fehlten):
man schreibt einige Namen auf die Gruppenliste:
- Wie wirkte er/sie?
- Fühlte er/sie sich wohl? abgelenkt? interesssiert? isoliert?
Gesichtsausdruck?
- Wie würde er/sie die erlebte Stunde beschreiben?
zufrieden? beteiligt? welche Kritik?
- Wie fühlten sich einige Teilnehmer
a) in sich? (ICH)
b) mit den anderen? (WIR)
c) mit dem Stoff? (THEMA)
d) mit der Struktur?
2. Betrachtung der Gesamtgruppe:
- Wie war das Klima?
- Der Verlauf des Gruppenflusses?
- Die Gesamtatmosphäre?
Wodurch entstand sie?
War sie hinderlich? förderlich? wem?
Dies alles nur anschauen; bewußtmachen; aufschreiben; nichts verändern; nichts tadeln; nur erinnern und wahrnehmen.
| Dr. Monika Kuhn | Handout, Selbstsupervision/Thema |
THEMA
- Wie lautete das Thema?
- Wie hat es auf mich und die anderen in dieser Form gewirkt?
- Wie wurde es eingeleitet?
- Wie hat es sich entwickelt?
- Welche Elemente kamen zur Sprache?
- Welche Elemente waren unterbelichtet, übergangen, abgelehnt, unerklärt?
- Was würde der Autor/Berichterstatter zu unserer Wiedergabe seiner Meinung sagen?
- Würde ihm etwas fehlen?
- Würde er sich verstanden fühlen?
- Was lehnen die Schäler (oder der Lehrer selber) in dieser Aufgabe ab und nehmen es deshalb nicht wahr?
- Was ist das Neue, der Kern der Erfahrung oder der Information, die ICH als Leiter im Thema sah, und zumuten wollte?
- Wie würde wohl HerrX / FrauY (das WIR) die Themenseite der Stunde erfahren?
Dies alles nur anschauen; bewußtmachen; aufschreiben; nichts verändern; nichts tadeln; nur erinnern und wahrnehmen.
| Dr. Monika Kuhn | FS TZI-Supervision/Handout, Selbstsupervision/Struktur |
STRUKTUR
Die Abfolge der verwendeten oder spontan entstandenen/ungeplanten Strukturformen werden
notiert
Leitereinführung oder allgemeine Runde
- Schweigen, dessen Einleitung,
- Kleingruppen,
- mittlere Gruppen
- Plenum
- Einzelarbeit
- Zeiteinteilung u.a.
War die Struktur helfend? lähmend? anregend?
Dies alles nur anschauen; bewußtmachen; aufschreiben; nichts verändern; nichts tadeln; nur
erinnern und wahrnehmen.
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7 Anhang
27.2.1998 - Ansprechpartner/E-Mail: Marlies Kreutzmann