Internet-Dokumenteserver der Universitätsbibliothek Konstanz

Helmut Klar.
Zeitzeuge zur Geschichte des Buddhismus in Deutschland


Herausgegeben von

Martin Baumann


Konstanz 1995


Universität Konstanz, Arbeitsbereich Entwicklungsländer/Interkultureller Vergleich,
Forschungsprojekt "Buddhistischer Modernismus"
:
Forschungsberichte ; 11



Seite III


Inhaltsverzeichnis

Zum Geleit, von Hellmuth Hecker V
Vorwort, von Martin Baumann VI

I. Helmut Klar: Lebensportrait, von Martin Baumann 1

II. Zur Zeitgeschichte des Buddhismus in Deutschland 24

1. Stille Stätte 24
2. Der Buddhismus zur Nazizeit (in Auszug) 29
3. Bericht über die Arbeit der Buddhisten in Deutschland 35
4. 50 Jahre 'Buddhistisches Haus' Berlin-Frohnau 39

III. Zur Lebensführung buddhistischer Laien in Deutschland 47

1. Kann der Buddhist Mitglied einer christlichen Kirche sein? 47
2. Aktueller Buddhismus und buddhistische Solidarität 51
3. Beschaffungs-Buddhismus 59
4. Das dritte sila wie es der Lebensführung buddhistischer Laien entspricht, vor dem Hintergrund des vierten 63

IV. Ausländerfeindlichkeit gegen Thailänderinnen 74

V. Stimmen von buddhistischen Weggefährten 85

Guido Auster 85
Friedrich Fenzl 90
Max Glashoff 94
Jürgen Tacke 96

VI. Interview mit Helmut Klar101

VII. Schriftenverzeichnis von H. Klar 130

Bücher und Artikel zum Buddhismus 130
Medizinische Arbeiten 134
Bildnachweis 136

Anhang 137

Rezitationstext von G. Auster und H. Klar 137
Bilder, Karten und Dokumente 144
Gedenktafel im Buddhistischen Hause in Berlin-Frohnau 148




Seite V

Zum Geleit

Von der ältesten Generation der deutschen Buddhisten, die vor dem Ersten Weltkrieg geboren wurden und alle Stürme dieses wilden Jahrhunderts überstanden, gibt es heute nicht mehr allzuviele auf dieser Erde. Soweit ich sehe, ist es ein "Fähnlein der sieben Aufrechten", das noch unter uns weilt. Da sind: als Senior Paul Debes (1906), Ay Christiani (1911), Guido Auster (1912), Max Glashoff (1912), Friedrich Möller/Nyanavimala (1912), Helmut Klar (1914) und Kurt Onken (1914). Der zweitjüngste dieser Altvorderen ist Dr. med. Helmut Klar. Sein Leben, das hier folgt, steht stellvertretend für eine Generation, die meist schon vor dem Zweiten Weltkrieg die Lehre des Erwachten kennenlernte und sie in vielen Jahren und unter den manigfaltigsten Umständen praktizierte.

In der Tradition von Dr. Paul Dahlke geprägt, dem Helmut Klar schon als Arzt nahestand, ist sein Leben und Wirken eingebettet in die Entwicklung des deutschen Buddhismus. Als Freund des Dahlke-Kreises in Frohnau, als Mitbegründer der Buddhistischen Gesellschaft Wien, als Außensekretär der 'Deutschen Buddhistischen Union' (DBU), als Delegierter auf den Konferenzen der 'World Fellowship of Buddhists' (WFB) war er mit buddhistischen Kreisen eng verbunden. In seinen Büchern und zahlreichen Artikeln nahm er zu den verschiedensten Fragen Stellung. In Asien besuchte er als Delegierter für die WFB Japan und Burma, als Arzt war er sechs Jahre im Iran tätig und vor allem führten ihn 21 Reisen durch verschiedene Regionen von Thailand. Er nahm sich der Schwierigkeiten der in Deutschland lebenden Thailänder immer wieder erfolgreich an. Trotz altersmäßiger Beschwerden nimmt er an den Treffen des Offenburger Kreises seit 1986 teil. Und eine reiche Korrespondenz verband und verbindet ihn mit aller Welt.

Die Einzelheiten dieses Lebens und Wirkens zeigt dieser Band, den seine Freunde mit ihren guten Wünschen begleiten.

Dr. Hellmuth Hecker
Hamburg, 26. November 1994


Seite VI

Vorwort

Der Band erscheint nicht zu einem besonderen Jubiläum oder Datum. Dazu wäre im Februar 1994 Anlaß gewesen, als Dr. Helmut Klar seinen 80. Geburtstag beging. Dem unausweichlichen 'Wirbel' durch Feierlichkeiten entwich er jedoch zusammen mit seiner Frau auf seiner 20. Reise nach Thailand, wo er in Ruhe und Zufriedenheit die vergangenen 80 Jahre Revue passieren lassen konnte.

Warum also einen gesonderten Band zu und über Helmut Klar erstellen? Es gibt vielerlei Gründe, zwei seien besonders genannt: Helmut Klar, Jahrgang 1914, war mit 18 Jahren über die Schriften Paul Dahlkes 1932 zum Buddhismus gekommen. Als junger Buddhist hat Klar die Zeit des Nationalsozialismus' und Krieges miterlebt, ebenso den Wiederaufbau und die Reorganisation buddhistischen Lebens in Deutschland und Österreich. Mit Paul Debes (geb. 1906), Guido Auster (geb. 1912) und Karl-Heinz Gottmann (Advayavajra, geb. 1919) ist Helmut Klar damit einer der ältesten noch lebenden Zeitzeugen, der die 1930er Jahre als Buddhist in Deutschland erlebte.

Neben diesem zeitgeschichtlichen Aspekt soll ein zweiter Punkt betont werden: Ebenso wie es eine Kritik der Gesellschaft oder der Literatur gebe, so müsse es, nach Helmut Klar, eine Kritik des Buddhismus geben. Anlaß sah und sieht er genug in der deutsch-buddhistischen Bewegung, aber nicht nur dort. In der Euphorie des starken Aufschwungs des Buddhismus in den 1980er Jahren und des harmonischen Miteinanders von Buddhisten verschiedener Traditionen sind kritische Stimmen rar geworden. Hier ist es erfrischend und belebend zugleich, daß ein Buddhist seinesgleichen den Spiegel vorhält. Die Ausführungen sind mitunter satirisch-ironisch, gelegentlich sarkastisch. Sie richten sich jedoch nicht gegen die Menschen, sondern weisen hin auf 'buddhistische Selbstgefälligkeiten' und 'halbherzige Einstellungen'.

Die Auswahl der Artikel, die verstreut und heute z. T. schwer zugänglich in buddhistischen Zeitschriften veröffentlicht wurden, versuchen, diesen zwei Aspekten gerecht zu werden. Inhalt und Kontext der Beiträge werden jeweils durch einen Vorspann vom Herausgeber kurz erläutert. Das Lebensportrait und die 'Stimmen von Weggefährten' stellen die Person Helmut Klar nähergehend vor; zugleich geben sie aber auch, zusammen mit den Photographien und Dokumenten aus den privaten Unterlagen von Helmut Klar, Ausschnitte der geschichtlichen Entwicklung des Buddhismus im deutschsprachigen Raum wieder. Das Interview versucht, die dargestellten Themen und unterschiedlichen Bereiche


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zusammenzuführen und in direkter Rede darzulegen. Ein Schriftenverzeichnis sowie ein Anhang, u. a. mit einem von Guido Auster und Helmut Klar 1937 zusammengestellten Rezitationstext in Deutsch und Pali, runden den Band ab.

Den 'Weggefährten' und Herrn Hecker sei für ihre Beiträge herzlich gedankt. Dank gebührt ebenso Frau Helga Dahlke (Wenningstedt, Sylt), die aus dem Nachlaß ihres Mannes Paul-Georg Dahlke, dem Neffen von Paul Dahlke, verschiedene Bilder heraussuchte und freundlicherweise zur Verfügung stellte.

Martin Baumann,
Bielefeld, im April 1995


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I.
Helmut Klar, ein Lebensportrait

von Martin Baumann

Helmut Klar wurde am 7. Februar 1914 in Goldberg (Schlesien) geboren. Seine Eltern waren Protestanten, die nur zu den Feiertagen in die Kirche gingen. Klars Vater war Oberpostinspektor, seine Mutter Kindergärtnerin. Von Kindheit an spielten Bücher im Leben von Helmut Klar eine große Rolle. Die Weiterbildung aus eigenem Vermögen, sowohl auf beruflicher wie auf buddhistischer Ebene, war ihm ein Leben lang sehr wichtig.

Der junge Helmut Klar besuchte nach der Volksschule von 1924-1934 das naturwissenschaftlich-neusprachliche Gymnasium in Goldberg. Das Gymnasium war aus einer alten Lateinschule hervorgegangen, die seinerzeit auch Wallenstein besucht hatte. Goldberg war die erste Stadt Schlesiens mit deutschem Stadtrecht gewesen (1211).

Begegnung mit dem Buddhismus

Bei seinem Leseeifer stieß Klar mit 18 Jahren auf ein buddhistisches Buch, es war Paul Dahlkes Buddha. Auswahl aus dem Pali-Kanon (Berlin: Brandus-Verlag 1920, 895 S.). Er hatte das Buch am 19. Juli 1932 für 2,50 RM gekauft. Das Buch faszinierte ihn, insbesondere die Lehre vom karma und die Selbstverantwortlichkeit des Menschen. Umso interessierter war er, als er erfuhr, daß in Berlin ein "Buddha-Tempel" existieren solle. Ohne eine genaue Adresse zu kennen schrieb er von Goldberg den Tempel, das Buddhistische Haus Berlin-Frohnau, an. Er erhielt von der Schwester des 1928 verstorbenen Arztes Dr. Paul Dahlke (1865-1928) Antwort und kam so in Kontakt mit dem Haus und ihr. Bertha Dahlke (1866-1947) hatte nach dem Tode ihres Bruders die Leitung des Buddhistischen Hauses übernommen. Das Haus hatte Paul Dahlke 1924 in den Außenbezirken Berlins aufgebaut. Von Bertha Dahlke erhielt Klar die Kontaktadresse des Freundeskreises für Schlesien, einen gewissem Dr. Arno Müller in Breslau.

Arno Müller (1899-1984), Mathematiker und Sinologe, wohnte bei seiner Mutter, die Jüdin war. Im Hause fanden in unterschiedlichen Abständen Zusammenkünfte von Buddhisten statt. Vor dem Ersten Weltkrieg war Breslau neben Leipzig das Zentrum buddhistischer Aktivitäten in Deutschland gewesen; doch auch in den 1920er und 1930er Jahren gab


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es buddhistische Bestrebungen und Kreise. Zu den Treffen im Hause Müller kamen auch jüdische Mitbürger; ohnehin war der Anteil ehemaliger Juden, die den Buddhismus als neue Lebensorientierung angenommen hatten, im Vergleich zum reichsweiten Proporz (1%) signifikant überrepräsentiert. Dem Breslauer Kreis gehörte auch Walter Tausk (1890-1941) an, Autor des Breslauer Tagebuch 1933-1940 (Berlin: Siedler-Verlag 1988). Tausk, als Jude geboren und dann zum Buddhismus übergetreten, wurde ebenso wie 800 weitere Juden Breslaus im November 1941 ins litauische Ghetto von Kowno deportiert und dort erschossen.

Private buddhistische Zirkel wie eben solche in Breslau spielten für den Buddhismus in Deutschland während der 1930er Jahre, aber auch später bis in die Gegenwart hinein, eine große Rolle. Vor 1955 gab es keine zentrale Organisation oder einen Dachverband, der die verschiedenen Gesellschaften und Einzelpersonen untereinander verbunden hätte. Der briefliche Kontakt und gegenseitige Besuche bildeten das Kommunikationsband. Klar traf sich am 28. März 1933 im Liegnitzer 'Café Hoppe' erstmals mit Müller. Als ein hervorragender Kenner buddhistischer Philosophie und des chinesischen Buddhismus führte der damals 34-jährige Müller den Oberschüler Klar in die buddhistische Literatur ein und kümmerte sich um den jungen Buddhisten. Da Klars Heimatstadt Goldberg etwa 100 km von Breslau entfernt war, konnte Klar jedoch nur ein- bis zweimal im Jahr an den Treffen in der Wohnung Müllers teilnehmen. Doch man traf sich wiederholt in Liegnitz, wenn Müller dort zu Verwandtenbesuchen war (siehe den Beitrag unter II. 2).

Außer dem Kontakt zu Arno Müller in Schlesien sollte für Klar der buddhistische Kreis der Dahlke-Freunde in Berlin prägend werden. Bertha Dahlke lud Helmut Klar im Juli 1933 nach Wenningstedt auf Sylt ein. Auf Sylt hatten die Eltern der Dahlke-Geschwister ein Ferienhaus; dort, und später im eigens erbauten 'Bibliotheks-Haus', hatte Paul Dahlke oftmals seine Ferien verbracht. Klar wohnte für einige Tage in Paul Dahlkes ehemaligem Sommerdomizil, einem kleinen, spartanisch eingerichteten Flachdach-Haus. Selbstverständlich suchte Klar auch das buddhistische Denkmal in der Heide, nördlich von Braderup, auf. Den buddhistischen Gedenkstein hatte Paul Dahlke 1927 errichtet, zu Ehren Buddhas, wie der Messinginschrift "Namo Buddhaya" zu entnehmen war (siehe den Beitrag unter II. 1).

Von Sylt aus begleitete Klar Bertha Dahlke nach Berlin, in das Buddhistische Haus Frohnau. Dort begegnete Klar erstmals leibhaftig einem buddhistischen Mönch, es war Bhikkhu Ananda Kausalyayana von der 'Mahabodhi Society of Calcutta'. Mit diesem bescheidenen, gebilde-


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ten und sehr korrekten buddhistischen Mönch verglich Klar später alle anderen Theravada-Mönche; der Vergleich fiel meist zu Gunsten des Bhikkhu Ananda aus.

In Frohnau begann die lebenslange Freundschaft zwischen Helmut Klar und Guido Auster (geb. 1912). Beide lernten damals Pali und widmeten sich dem Studium buddhistischer Texte. Die Bibliothek mit Dahlkes Übersetzungen aus dem Pali-Kanon war dafür die ideale Grundlage. Beeindruckend für beide waren die Vollmondfeiern und Vorträge im Tempel; u. a. sprachen der Indologe Ernst Waldschmidt und Dr. Wolfgang Schumacher. Im Buddhistischen Haus lernte Klar zahlreiche buddhistische Persönlichkeiten kennen, darunter den Japaner Sakakibara (Shin-Schule) und Kurt Fischer (1892-1942). Fischer, ein treuer Dahlke-Schüler, lebte im Buddhistischen Holzhaus, das unterhalb vom Buddhistischen Haus errichtet worden war.

Nach dem Abitur in Goldberg 1934 plante Klar, Medizin zu studieren. Um jedoch zum Studium zugelassen zu werden, war zuvor ein sogenannter 'freiwilliger Arbeitsdienst' abzuleisten. Während dieses erzwun-

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"Bertha Dahlke, in den 20er Jahren"


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genen Dienstes lernte Klar die Eigenarten militärischer Zwänge kennen. Der Lagerführer war ein ehemaliger Fremdenlegionär, der in Südostasien gekämpft hatte und autoritär herrschte. Wie damals üblich, wurde die ankommende Post der Lagerinsassen kontrolliert. Von Bertha Dahlke bekam Klar eine Karte, die nach den damaligen Gepflogenheiten etwas pathetisch unterschrieben war: im Dhamma, Ihre B. D. Klar wurde zum Lagerführer bestellt und angeherrscht: "Das heißt jetzt 'Heil Hitler' und sonst nichts!" Die restliche Zeit war Klar beim Lagerführer als Außenseiter gebrandmarkt.

Pali-Studien mit Langzeit-Wirkung

Nach dem Arbeitsdienst zog Klar von Goldberg zum Studium nach Berlin und wohnte bei seinem dortigen Onkel. In Berlin konnte sich Klar intensiver als zuvor dem Studium des buddhistischen Pali-Kanons widmen. Er wurde dabei tatkräftig von seinem buddhistischen Freund Guido Auster unterstützt, der im Pali schon fortgeschritten war. In der Reichshauptstadt standen Auster und Klar außer im Buddhistischen Haus noch vier weitere Ausgaben des Pali-Kanons zur Verfügung: es gab den Kanon der 'Pali Text Society London' in lateinischer Schrift, daneben noch die Ausgabe des Kanons in Thai-Schrift. Den thailändischen Kanon hatte König Chulalongkorn (Rama V) um die Jahrhundertwende verschiedenen europäischen Bibliotheken geschenkt. Beide Ausgaben waren in der Staatsbibliothek und in der Universitätsbibliothek vorhanden, so daß jeder Pali-Text vierfach zur Verfügung stand. Für die zwei Lernenden war dieser glückliche Umstand sehr wichtig, weil beide sich stets den gleichen Text ausleihen konnten. Auf diese Weise lernte Klar damals auch noch zusätzlich die für das Pali verwendete Thai-Schrift.

Klar erlernte intensiv Pali, um die buddhistischen Schriften im Original lesen und Übersetzungen prüfen zu können. Die Studien der 1930er Jahre sollten sich auf unterschiedliche Weise Jahrzehnte später als hilfreich und weiterwirkend erweisen. Ab etwa 1934 befaßte sich Klar im Detail mit dem Inhalt einzelner Pali-Verse. Er schrieb die 423 Verse des Dhammapada ('Pfad der Lehre') auf Karteikarten, um die Verse dann nach ihrem Inhalt neu zu ordnen. Ähnliche Verse kamen dann unter neue sinnvolle Kapitelüberschriften. Zu Buddhas Zeiten und in den Jahrhunderten danach, als die Texte noch mündlich überliefert wurden, hatte man die Verse aus lerntechnischen Gründen eher formalistisch zusammengefaßt. So gibt es in der Original-Anordnung ein "Paare-Kapitel", ein "Tausend-Kapitel" und ein "Allerlei-Kapitel". Klar fügte nun die Verse in eine neue, inhaltlich sinnvolle Reihenfolge, mit jeweils neuen


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Kapitelüberschriften. So ergaben sich Überschriften wie "Strebet ohne Unterlaß!" oder "Wirken und Wiedergeburt". Dieses äußerst arbeitsaufwendige Verfahren griff zwar erst 60 Jahre später Ekkehard Saß (Baden-Baden) auf, indem er 1995 eine neue Dhammapada-Übersetzung in der Klar'schen Reihenfolge herausbringen wird. Für Helmut Klar hatte sich, wie er sich ausdrückte, die Arbeit der 1930er Jahre wenn auch verspätet, so doch noch gelohnt.

Seine Studien führten Klar zu den Überlegungen, den an Pali interessierten deutschen Buddhisten auch von ihrer Muttersprache her einen Zugang zum Pali zu ermöglichen. Er sammelte Materialien und erstellte Listen, deutsche Begriffe ins Pali zu übersetzen. Erst 45 Jahre später, 1982, konnte der Druck seines Deutsch-Pali Wörterbuches (Wien: Octopus) erfolgen.

Da in den 1930er Jahren das Fotokopieren von Texten noch recht teuer war, entwickelte Klar eine eigene Stenographie für das Pali, die sich als durchaus praktisch erwies, um Abschriften herzustellen. Obwohl 30 Jahre später die Stenographie schon weitgehend durch Diktiergeräte verdrängt worden war, interessierte sich dennoch 1964 der Deutsche Stenographie-Lehrerverband für Klars Methode, eine mittelindische Spra-che wie das Pali zu stenographieren. Klar publizierte seine selbstentworfene Stenographie des Pali in der Zeitschrift Der Stenografielehrer unter dem Titel "Wie stenografiert man indische Sprachen? Die Einheitskurzschrift und ihre Anwendung auf das Pali, die Sprache des buddhistischen Kanons" (Bd. 18, Nr. 4, 1964, S. 91-97).

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"Klars Stenographie des Pali, aus Stenografielehrer (1964, S. 95)"


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Die eifrigen Pali-Studien sollten auch noch in anderer Weise angewandt werden. Helmut Klar stellte zusammen mit Guido Auster aus markanten Pali-Texten einen Rezitationstext zusammen, der bei verschiedenen Gelegenheiten, vor allem auch ganz privat, rezitiert werden konnte. Zu dem Pali-Text gab es eine deutsche Übersetzung. Der Text wurde nicht publiziert, sondern direkt an Interessierte weitergereicht (siehe den Abdruck im Anhang). Bald konnte Klar, wie auch Auster, den aus 25 Versen bestehenden Text auswendig auf Pali rezitieren. Später, etwa bei Klars Besuchen in Thailand, bildete die Kenntnis solcher Pali-Verse mitunter überraschende Brücken zu thailändischen Buddhisten. Auch bei Neujahrsfeiern von in Deutschland lebenden Kambodschanern, an deren Festen Klar in den 1980er Jahren verschiedentlich teilnahm, konnte Klar zusammen mit den Anwesenden die kanonischen Stellen auf Pali rezitieren; sehr zum Erstaunen, aber auch zur Freude der Kambodschaner.

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" Berlin-Frohnau, Buddhistisches Haus am Kaiserpark, ca. 1940)"

Studium, Krieg, Gefangenschaft

Da Klars Interessen, neben Buddhismus und Pali, auf naturwissenschaftlichem Gebiet lagen, nahm er das Studium der Medizin auf. Von 1934 bis Kriegsbeginn 1939 studierte er an den Universitäten Berlin und Wien; im September 1939 legte er das Staatsexamen in Berlin ab. Während des Krieges wurde Klar ab 1939 als Bataillonsarzt, später als Stabsarzt in


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Frankreich, Russland und Albanien eingesetzt. So konnte er erst am 3.7.1943 in Berlin seine Dissertationsarbeit Eine neue fieberhafte Erkrankung beim Feldheer, 27 Seiten (ungedruckt), abschließen.

Während des Krieges versorgten Arno Müller und der Arzt Dr. Wolfgang Schumacher (1908-1961) Klar mit kleinen, handlichen Buddhismus-Schriften. Zudem führte Klar sein erstes buddhistisches Buch, Dahlkes Buddha, mit sich. Das kompakte Buch in Prachtausgabe, 900 Seiten auf Dünndruckpapier, bot viel Lesestoff bei geringem Volumen; es war ihm ein idealer Wegbegleiter.

Während seiner Frankreich-Einsätze hatte Klar in Paris Kontakt mit den dortigen Buddhisten, "Les Amis du Bouddhisme", aufgenommen. Klar besuchte die im Quartier Latin ansässige Organisation 1940 und 1942 mehrmals; ein näherer Kontakt kam jedoch aufgrund des Mißtrauens, das ihm als Angehöriger der Okkupationsarmee entgegen gebracht wurde, nicht zustande.

Als er später in Albanien eingesetzt war, hatte Klar 1943 und 1944 den Kalmückentempel von Belgrad in der Ulica Budistitschka ('buddhistische Straße') besucht. Einige Kalmücken, Oirat-Mongolen an der unteren Wolga und am Kaspischen Meer, waren nach der Russischen Revolution 1917 nach Serbien geflohen; in Belgrad hatten sie einen Tempel errichtet.

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" Der leitende Kalmücken-Lama des
Belgrader Tempels, Februar 1944.
Über dem Eingangstor:
das buddhistische Rad und die Gazellen."


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"Schon von weitem ist der kleine pagodenartige Tempel, der mit seinen beiden oberen Stockwerken die niedrigen, aber netten und sauberen Häuser der Kalmückensiedlung überragt, zu erkennen. Die Serben nennen ihn nicht ganz treffend chines Zirkwa (Kirche) oder auch budistitschka Zirkwa. Hinter dem schlichten und schmucklosen Äußeren des 1929 erbauten Tempels vermutet man keinerlei Kunstschätze. Als einziger Schmuck sind über dem Eingang das Rad der Lehre und rechts und links davon eine Gazelle angebracht. Durch diese indischen Symbole ist der Tempel als buddhistisch gekennzeichnet. Dieselben Zeichen in der gleichen Anordnung sieht man übrigens auch über dem Eingang des buddhistischen Tempels, der vor dem Ersten Weltkrieg in der Nähe von Petersburg erbaut worden ist.

In einem Seitengebäude wohnt der Kalmückenpriester. Er winkt mir freundlich einzutreten und will mich sogleich in seiner kleinen Behausung bewirten [...]. Von der Wohnung des Priesters gehen wir in den Gemeindesaal, der Wohnung und Tempel verbindet und für Unterrichtszwecke und Versammlungen bestimmt ist. Durch eine Seitentür treten wir in den Tempel ein. Ich bin ein wenig erschrocken über die Fülle der Bilder, Statuen und Gegenstände, die, in für unsere Begriffe allzu überladener Art, am sogenannten Altar aufgestellt sind."[1].

Im Kriege, 1942, heiratete Helmut Klar die aus Klosterneuburg bei Wien stammende, katholisch erzogene Ernestine Konwitza. Er hatte sie in Goldberg, wo sie Verwandte hatte, auf einem Heimatfest kennengelernt. Aus der Ehe gingen zwei Söhne, Günter (1943) und Wolfgang (1944), hervor. Klar bat seine Frau, in die Geburtsurkunden zusätzlich die buddhistischen Namen Ananda und Rahula eintragen zu lassen. Durch die Eintragung der Pali-Namen wollte er sicherstellen, daß auch dann, sollte er den Krieg nicht überleben, die Kinder später hätten feststellen können, daß dem Vater der Buddhismus viel bedeutet haben mußte. Die Eintragung beim Wiener Standesamt rief anfänglich Verwunderung hervor. Der Hinweis jedoch, daß der Ehemann an der Front stehe, erwirkte einen reibungslosen Vollzug. Von der Wirksamkeit der 'Schutzformel',


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der Ehemann sei im Fronteinsatz, hatte Klar zuvor in Berlin erfahren und seiner Frau mitgeteilt: 1942 war die Gestapo bei Moritz Luedtge (1884-1974), einem Mitglied der 'Gemeinde um Buddha', vorstellig geworden, um dessen buddhistische Bibliothek zu beschlagnahmen. Die Ehefrau des Buddhisten stellte sich den Gestapo-Leuten jedoch mit den Worten: "Mein Mann steht an der Front" in den Weg. Der Hinweis auf den Fronteinsatz ließ die Gestapo Abstand von ihrem Vorhaben nehmen. Auch im bürokratischen Vollzug auf dem Standesamt erwies sich die 'Schutz- und Hilfsformel' als wirksam. Anders als fast alle Gleichaltrigen wurden die zwei Jungen nicht getauft, was dem älteren Sohn, Günter, im katholisch geprägten Österreich 1949 dennoch nur geringe Schwierigkeiten bereitete.

1945 war Klar in einem großen Kriegslazarett in der Tschechei ärztlich tätig. Nach der deutschen Kapitulation im Mai 1945 geriet er auf der Flucht nach Westen in amerikanische Gefangenschaft. Die US-Truppen lieferten jedoch alle Soldaten wie auch Krankenschwestern an die Sowjetarmee aus. Klar war es trotz der rüden Methoden der Bewachungsmannschaften gelungen, zahlreiche Pali-Aufzeichnungen und stenographische Notizen bei sich zu verstecken und in die düstere Gefangenschaft hinüberzuretten. Ein kleines Notizbuch hatte er unter seiner Fußsohle im Schuh versteckt. Noch heute sieht man auf dem Büchlein die Eindrücke der Mittelfußknochen. Der Besitz von schriftlichen Aufzeichnungen galt als 'verdächtig'. Insbesondere diejenigen Sowjetsoldaten, die selber nicht schreiben konnten, konfiszierten Schriftstücke als "Zauberkram".

Für Klar waren viele Verse aus dem Dhammapada, den er teilweise auswendig konnte, besonders wichtig. Bei den furchtbaren Zählappellen, mitunter bei 30 Grad Kälte, konnte er so 'seine' Verse memorieren. Wie Klar sich später erinnerte, hat der 'Geist der Lehre des Buddha wesentlich dazu beigetragen, die Greuel der Gefangenschaft zu überstehen'. Zunächst waren in den Lagern keine Arbeiten zu verrichten. Es bestand die Möglichkeit, an Sprachkursen in Russisch teilzunehmen oder Vorträge zu halten. Klar sprach in mehreren Vorträgen über Buddhismus.

Am 27.9.1947 kehrte Klar mit dem achten "Österreicher-Transport" aus der sowjetischen Kriegsgefangenschaft zu seiner Familie, nach Österreich, zurück. Für Klar, der ja die deutsche Staatsangehörigkeit hatte, sich aber bei der Gefangennahme 1945 als Österreicher deklarierte, war das ein schwieriges und riskantes Unternehmen. Denn zu diesem frühen Zeitpunkt, 1947, entließen die Russen nur Österreicher aus der Gefangenschaft, da Österreich als 'Opfer' des Nazi-Überfalls von 1938, dem


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Auszüge aus Klars Notizbüchlein (10 x 12 cm), das er mit in die Gefangenschaft hat retten können. Texte in Devanagari (links) und in Thai-Schrift (rechts). Aus dem Majjhima-Nikaya (Mittlere Sammlung), von Klar 1937 geschrieben.

sogenannten "Anschluß an Großdeutschland", betrachtet wurde. Bei den strengen Personenkontrollen durch den berüchtigten NKWD des sowjetischen Innenministeriums war das für Klar ein nervenaufreibendes Risiko. Die Mitgefangenen schlossen Wetten ab, wie lange Klar unentdeckt bleiben würde. Daß er nicht denunziert wurde, schrieb Klar im nachhinein seiner ärztlichen Tätigkeit und seinem freundschaftlichen Umgang mit den anderen Gefangenen zu. Hätten die Russen auf dem Transport oder später in Österreich den Sachverhalt aufgedeckt, so wäre Klar in die Sowjetunion zurücktransportiert worden und höchstwahrscheinlich in ein Straflager eingewiesen worden.

Klar ließ sich zunächst in die amerikanische Besatzungszone (Salzburg) entlassen. Von dort wurde er von seiner Frau in die sowjetische Besatzungszone geschmuggelt, wo sie mit den zwei Söhnen in Klosterneuburg bei Wien geblieben war und den Krieg heil überstanden hatte. Im Haus von Verwandten bewohnte die Familie eine kleine Wohnung, viel zu eng für vier Personen.


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In Österreich und Persien

Ansässig in der Nähe Wiens, beantragte Klar die österreichische Staatsbürgerschaft. Da er niemals einer nationalsozialistischen Organisation angehört hatte, erhielt er nach kurzer Zeit, 1948, die neue Staatsbürgerschaft und einen Paß. Bei der allgemeinen Deutschlandfeindlichkeit im Nachkriegs-Österreich und den damit verbundenen beruflichen Behinderungen wollte Klar auf keinen Fall in Österreich bleiben. Den Paß benötigte Klar, um das Land möglichst schnell wieder verlassen zu können; zu gleicher Zeit konnten in Deutschland Pässe noch gar nicht ausgestellt werden.

Klar war an verschiedenen Universitätskliniken als Gastarzt tätig. Er arbeitete dort mit voller Stundenzahl und Nachtdiensten, jedoch ohne Entlohnung. Erschwerend kam hinzu, daß sein deutsches Examen nicht anerkannt wurde. Klar mußte in Wien erneut ein medizinisches Staatsexamen ablegen. Eine "Nostrifikation", eine Umschreibung auf das Gebiet der Republik Österreich, wurde damals ganz allgemein Deutschen nicht gewährt. So mußte er in allen klinischen Fächern und einem nicht-klinischen Fach die entsprechenden Prüfungen wiederholen. Die österreichischen Professoren prüften den in das plötzlich so 'geläuterte' Österreich zugereisten Deutschen Klar besonders streng.

In Wien traf Klar den österreichischen Postbeamten Johannes Stepanovsky (1912-1977) wieder. Sie hatten sich im Krieg 1943 in Albanien kennengelernt. Klar hatte Stepanovsky, der Buddhist war, die Dünndruckausgabe von Dahlkes Buddha leihweise überlassen; Stepanovsky war es gelungen, das Buch über Krieg und Gefangenschaft zu retten und bei dem Wiedertreffen 1947 zurückzugeben.

Klar und Stepanovsky wollten sich in Wien einer buddhistischen Vereinigung anschließen; doch offensichtlich bestand eine solche noch nicht. So gründeten Klar und Stepanovsky zusammen mit dem Wiener Import-Export-Geschäftsmann Dr. F. Oprchal (geb. 1900), der Interesse am Buddhismus hatte, am 2. Dezember 1947 die Buddhistische Gesellschaft Wien. Oprchal, der für 'bombastische Briefkopfdrucke' (Klar) sorgte, meldete die Gesellschaft im Vereinsregister an. Zu den drei kamen der Ingenieur Franz Zouzelka (1923-1956) und seine Frau sowie der Arzt und Dahlke-Verehrer Dr. Anton Kropatsch (1897-1971) hinzu. In der Wohnung von Kropatsch hatte sich bereits seit 1946 ein kleiner Kreis von Theravada-Buddhisten getroffen; gemeinsam las und besprach man Lehrreden. Die Gruppe um Kropatsch und die Gesellschaft vereinigten sich am 5.4.1949.


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"Die Mitglieder trafen sich zu Vorträgen und Diskussionen in der Wohnung von Dr. Oprchal und Dr. Kropatsch, einem Dahlke-Schüler. [...]. Man beschäftigte sich in der Buddhistischen Gesellschaft keineswegs nur mit akademisch-philosophischen Themen, sondern war durchaus bestrebt, die Lehre des Buddha für die Bewältigung der praktischen Probleme jener Zeit einzusetzen. Im Mittelpunkt des Interesses stand die Lehre, so wie sie in den ältesten Pali-Texten wiedergegeben ist. Ein Pali-Kurs wurde von Klar abgehalten. [...] Trotzdem waren wir enttäuscht darüber, daß der Kreis der Mitglieder klein blieb und daß es vor allem nicht möglich war, einen ständigen, eigenen Versammlungsraum zu besitzen, der als Kristallisationskern für weitere Aktivitäten hätte dienen können. Aber hierfür fehlten die finanziellen Mittel"[2].

Graphik Seite 12 bitte anklicken


Mitglieder der Buddhistischen Gesellschaft Wien vor dem Grab des Deutsch-Ungarn Eugen Lenard (1876-1924), Klosterneuburg 1957.
V.l.n.r.: F. Hungerleider, E. Hetényi (Leiter der Ungarischen Buddhistischen Mission in Budapest, seit 1951), Frau Zouzelka, Frau Baumann, J. Stepanovsky.


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Die Gesellschaft war der erste organisatorische Zusammenschluß von Buddhisten in Österreich; bis Mitte der 1970er blieb sie eine Anlaufstelle für Interessierte am Buddhismus. Ab 1955 leitete Professor Fritz Hungerleider als Oprchals Nachfolger die Gesellschaft (bis 1976). In wöchentlichen Vorträgen und in Kursen vertrat man alle Richtungen des Buddhismus und feierte zusammen das Vesakh-Fest. Ein Schwerpunkt lag auf der Darlegung des Buddhismus der Pali-Schriften.

Neben der Mitwirkung in der Buddhistischen Gesellschaft, u. a. durch Pali-Unterricht für Stepanovsky und Zouzelka, begann Klar, die durch den Krieg unterbrochenen Kontakte zu seinen buddhistischen Freunden wieder aufzunehmen. In Deutschland bildeten sich in den ausgehenden 1940er Jahren verschiedene buddhistische Stadtgesellschaften. In regem brieflichem Austausch stand Klar u. a. mit Guido Auster vom 'Buddhistischen Seminar' in Berlin und mit Wilhelm Müller (1912-1990) von der 'Buddhistischen Gemeinde am Niederrhein' in Moers.

Da Klar in Österreich aufgrund der katholisch-nationalistischen und anti-deutschen Stimmung nicht heimisch werden konnte - und wollte - versuchte er, über das Wiener Büro der Vereinten Nationen als Arzt nach Ceylon vermittelt zu werden. Dort plante er, sich längerfristig mit seiner Familie niederzulassen. Das Vorhaben zerschlug sich jedoch, so daß er am 27. November 1949 für sechs Jahre in den Iran ging.

In Isfahan, der alten Hauptstadt Persiens, leitete er ein Ambulatorium mit einem Einzugsgebiet von 365 Dörfern. Gleichzeitig war ihm erlaubt, eine Privatpraxis zu betreiben. Aufgrund dieser vergleichsweise priviligierten Möglichkeit für einen Ausländer hatte er jedoch auch zahlreiche Neider, die ihm durch Intrigen das Leben oft schwer machten, wie er sich rückblickend erinnert. Die Erfahrung, als Fremder nur mit Hilfe wohlwollender Einheimischer bestehen zu können, ließ ihn später für die Rechte asiatischer Buddhisten, die in der Bundesrepublik leben, eintreten.

In Isfahan veranlaßte Klar die Übersetzung und den Druck des Mangala-Sutta aus dem Englischen ins Persische. Aus Deutschland ließ sich Klar die Rundbriefe, später Wissen und Wandel, von Paul Debes zusenden. Aus England erhielt er den Middle Way von der Buddhist Society London. Das islamisch geprägte Persien verstand Klar jedoch auch als Möglichkeit, von dort Reisen in süd- und ostasiatische Länder zu unternehmen. Klar reiste nach Indien, Sri Lanka, Thailand, Burma, Hong Kong und Japan. Auf den Konferenzen der 'World Fellowship of Buddhists', 1950 in Colombo gegründet, nahm Klar als Vertreter der österreichischen Buddhisten 1952 in Tokyo und 1954 in Rangoon und


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Mandalay teil. In Rangoon gab er zusammen mit Felix Knobeloch (1890-1985) einen "Bericht über die Arbeit der Buddhisten in Deutschland und Österreich" (siehe den Beitrag unter II. 3). Auf den Konferenzen traf er auch wieder den von ihm so geschätzten Bhikkhu Ananda Kausalyayana.

Im Winter 1955/56 bereiste Klar mit seiner Familie Indien und Sri Lanka. In Kandy (Sri Lanka) besuchte er in der Forest Hermitage Nyanatiloka Mahathera (Anton W.F. Gueth, 1878-1957) und dessen Schüler Nyanaponika (Siegmund Feniger, 1901-1994). Per Schiff ging es 1965 von Colombo über Marseille zurück nach Europa.

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Ananda Kausalyayana und Helmut Klar auf dem 6. Buddhistischen Konzil in Mandalay, Burma, Oktober 1954.

Farbpsychologische Forschungen und buddhistische Aktivitäten

Seit 1956 wohnt Klar mit seiner Familie in Heidelberg. Er trat in die medizinisch-wissenschaftliche Abteilung der pharmazeutischen Firma Boehringer Mannheim ein. Boehringer Mannheim entwickelte in den 1950er Jahren als erste Pharmafabrik Tabletten gegen Diabetes und war auf dem Sektor der Biochemica mit zahlreichen Substanzen führend. Klar


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leitete u. a. die Redaktion der medizinischen Zeitschrift Therapie des Monats. Durch fünf fremdsprachliche Ausgaben vergrößerte er den internationalen Einfluß der Zeitschrift. Zugleich errichtete er in der Pharmafirma eine farbpsychologische Abteilung.

Schon im Iran hatte er für diese Forschungsrichtung umfangreiche Vorarbeiten geleistete. Seit 1951 stand er in Verbindung mit Professor Dr. Max Lüscher (Luzern). Dieser hatte 1949 den 'Lüscher-Farbtest zur Persönlichkeitsbeurteilung und Konfliktlösung' entwickelt. Lüschers Erkenntnisse und Methoden wollte Klar mit Hilfe persischer Probanden überprüfen und verfeinern. Er entwickelte verschiedene Reihenuntersuchungen, u. a. testete er das Verhalten von Opiumrauchern vor und nach der Inhalation des Rauschmittels. Mit diesen damals führenden Arbeiten zur charakterologischen Beurteilung von Personen aufgrund bestimmter Farbpräferenzen leistete Klar einen Beitrag zur Konsolidierung des "Lüscher-Farbtests". In den 1950er und 1960er Jahren publizierte Klar mehr als 50 Artikel in zahlreichen Fachzeitschriften (siehe im Schriftenverzeichnis). Er war mehr als 30 Jahre, bis zu seiner Pensionierung 1976, auf dem Gebiet der Farbpsychologie tätig.

Der Kontakt zu Buddhisten in Deutschland und Übersee hatte durch die beruflichen Arbeiten hingegen nicht gelitten. In Heidelberg empfing die Familie Klar eine Vielzahl von Buddhisten: die ceylonesischen Mönche Some Thera, Kheminda und Vinita, die auch zeitweise im Buddhistischen Haus in Berlin gewohnt hatten. Es kamen Russel Webb aus London und der Pali-Gelehrte Dr. Kopp, der den Nachlaß von Professor M. Walleser verwaltete und das 'Institut für Buddhismuskunde' in Heidelberg leitete. Auch die Indologen Karel Werner (Durham, nun London) und Erich Frauwallner (Wien) besuchten Klar.

Von Heidelberg aus verstärkte Klar den Kontakt zu seinem langjährigen Freund Guido Auster und zum Buddhistischen Haus Berlin. Zudem stand er in regem Austausch mit verschiedenen buddhistischen Gruppen: der Buddhistischen Gesellschaft Wien, nun geleitet durch Professor Fritz Hungerleider; der Deutschen Buddhistischen Union, ab 1960 unter der Leitung von Max Glashoff (geb. 1912). Auch mit der Altbuddhistischen Gemeinde Utting am Ammersee (Max Hoppe, Maya Keller-Grimm), der Buddhist Society in London (Christmas Humphreys) und den 'Amis du Bouddhisme' in Paris (Mme La Fuente) stand er in Kontakt und bezog ihre Zeitschriften. Einer buddhistischen Gruppe schloß er sich in den 1960er und 1970er Jahren jedoch nicht an, da die bestehenden Gruppen räumlich zu weit entfernt waren. Klar nahm an verschiedenen Jahrestreffen der DBU teil, wobei er 1956 Paul Debes


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kennen- und schätzen lernte. Klar veröffentlichte verschiedene kürzere Artikel in buddhistischen Zeitschriften, insbesondere zum Schicksal von Flüchtlingen aus buddhistischen Ländern Asiens, die in die Bundesrepublik gekommen waren.

Für den Buddhismus in Deutschland hat es Klar als nachteilig empfunden, daß die von ihm so geschätzten Werke Dahlkes seit Jahrzehnten nicht im Buchhandel vorrätig waren und sind. Da Dahlkes Erben kein Interesse an Neuauflagen von Dahlke-Büchern hatten, entschloß sich Klar, eigenständig einen Nachdruck der Dhammapada-Übersetzung anfertigen zu lassen. Lediglich mit einer mündlichen Zusage von seiten der Erben, veröffentlichte er 1970 Dahlkes Übersetzung, mit neuem Vorwort und gekürzten Anmerkungen (Arkana-Verlag, F. Haug in Heidelberg). Die 1.200 Exemplare der Ausgabe waren 1980 verkauft; der geschmackvolle Druck, den Dahlke in seiner Ausgabe von 1922 gewählt hatte, wurde zweifarbig originalgetreu beibehalten.

Zum ersten Mal in der Geschichte des tibetischen Buddhismus unternahm 1973 der 14. Dalai Lama, Tenzin Gyatso, eine Besuchsreise nach Europa. Bei dieser Gelegenheit traf der Dalai Lama auch mit deutschen Buddhisten in Bonn zusammen (2. Nov. 1973). Zu dem offiziellen Empfang waren Helmut Klar und seine Frau vom persönlichen Repräsentanten des Dalai Lama in Europa, von T. W. Phala, eingeladen wor-

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Einladungskarte zum Empfang mit dem Dalai Lama, 1973.


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den. Der herzliche Empfang durch das tibetische Oberhaupt ist dem Theravada-Buddhisten Klar in sehr positiver Erinnerung geblieben. "Wenn man den Dalai Lama auch nur kurze Zeit beobachtet hat, so gewinnt man die Überzeugung, einer Persönlichkeit begegnet zu sein, die durch jahrzehntelanges Geistestraining und tägliche Meditation über ein gesundes, ausgeglichenes Nervensystem verfügt, das zu Höchstleistungen fähig ist. Von einer solchen Ausgeglichenheit sind wir freilich noch weit entfernt, wenn wir sie überhaupt je ereichen."[3]

1970 und 1974 nahm Klar, zusammen mit Karl Stort (1924-1986) vom Buddhistischen Bund Hannover, als Vertreter der deutschen Buddhisten an den Konferenzen der Pali Buddhist Union teil. Zu dieser Zeit fungierte Klar als korrespondierender Sekretär der 'Pali Buddhist Union' für den deutschsprachigen Sprachraum. Auf der Konferenz 1974 in London sprachen der Initiator Russell Webb, Saddhatissa Mahathera, Miss I. B. Horner (Präsidentin der Pali Text Society) und Klar. Auch bei dem ersten Europäischen Buddhistischen Kongreß in Paris (1979), ausgerichtet von der 1975 gegründeten Buddhistischen Union Europas, hielt Klar einen Vortrag.


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Helmut Klar spricht auf der 3. 'Pali Buddhist Union' Konferenz, London Mai 1974;
links neben ihm Dr. Saddhatissa; siehe auch das Bild S. 150.


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Anfang der 1980er Jahre kam Klar durch die Adressenvermittlung von Max Glashoff, Vorsitzender der Deutschen Buddhistischen Union bis 1984, in Kontakt mit Dr. Jürgen Tacke aus Ludwigshafen. Tacke wie Klar suchten nach buddhistischen Gesprächspartnern im Raum Mannheim. Da man sich gut verstand, beschloß man, gemeinsam zu den Treffen des Offenburger Freundeskreis zu fahren. Dieser Kreis von etwa 12 Buddhisten und Buddhistinnen war 1984 von dem Debesschüler Dr. Fritz Schäfer (geb. 1923) angeregt worden; ähnlich wie bei den Treffen des Kreises um Dr. Hellmuth Hecker (geb. 1923) in Hamburg geht es Schäfer darum, die Lehrreden des Pali-Kanons für westliche Buddhisten zu erläutern und "aufzuschließen" (Hecker). Seit 1986 hat Klar (seit 1987 auch zusammen mit Tacke) regelmäßig an den Treffen des Offenburger Freundeskreises teilgenommen. Die Freundschaft mit Jürgen Tacke bedeutete für Klar nicht zuletzt auch eine neue Mobilität. So kam es, daß Klar auch die jährlichen offenen Treffen der Deutschen Buddhistischen Union im Kamalashila-Institut in der Voreifel besuchen konnte. Die buddhistischen Konvente im Schloß Wachendorf dienen nicht nur dazu, Organisatorisches zu regeln, sondern auch, Buddhisten, Inhalte und Meditationsformen anderer Traditionen kennenzulernen. Mit großem Interesse verfolgt Klar die Ausführungen der jeweiligen Referenten bzw. Referentinnen; lautstarke Zwischen- oder Nachfragen bei zu leise gehaltenen Vorträgen sorgten mitunter für die notwendige 'Achtsamkeit' im Hinblick auf ältere Teilnehmer.


Asiatische Buddhisten in Deutschland

Seit 1974 besuchte Klar zusammen mit seiner Frau 21 mal Thailand, so auch 1994 während seines 80. Geburtstags. Klar, der schon in den 1930er Jahren im Zusammenhang mit seinen Pali-Studien die Thai-Schrift gelernt hatte, begann nun die Grundzüge des Thailändischen zu erlernen. Seine Sprachkenntnisse öffneten ihm den Weg zu den Menschen und zu einem tieferen Verständnis ihrer buddhistischen Lebensweise. Ihre Freundschaften in Thailand setzten sich daheim in Heidelberg fort: 1976 hatte das Ehepaar Klar eine sprachbegabte thailändische Abiturientin eingeladen, bei ihnen in Heidelberg für ein halbes Jahr zu wohnen. Da die Studentin Joy (Thai: 'die Kleine') neben Anglistik auch Interesse an der deutschen Sprache fand, wurde sie für das kommende Jahr wieder eingeladen. Die Thailänderin wurde als Pflegetochter in die Familie aufgenommen, ergänzte ihr Thai-Abitur durch ein deutsches Abitur und studierte an der Universität Germanistik und Deutsch als Fremdsprache. Sieben Jahre lebte Joy bei Familie Klar. 1983 heiratete sie einen deut-


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schen Mann und ist seit dem Studiumsabschluß als beeidigte Dolmetscherin und Übersetzerin für die thailändische Sprache an Gerichten Baden-Württembergs tätig.

Über die Pflegetochter lernte Helmut Klar viele weitere mit Deutschen verheiratete Thailänderinnen und ihre Probleme kennen. Der rüstige Pensionär half bei Behördengängen und amtlich verursachten Problemlagen. Oft hat er weiterhelfen oder entsprechende Spezialisten wie etwa versierte Rechtsanwälte vermitteln können. Gerade im Zuge der zunehmenden Ausländerfeindlichkeit in der Bundesrepublik seit den 1980er Jahren fühlte sich Klar, der selber viele Jahre die Schikanen und Benachteiligungen als Ausländer in Österreich und im Iran hat erdulden müssen, verpflichtet, tatkräftige Hilfe zu leisten (siehe Kapitel IV).

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Links: Die Plegetochter, Vasana Jäger, geb. Pattanasawad, genannt Joy (die 'Kleine'), 1976.
Rechts: Eine Thailänderin kniet vor der Buddha-Statue in Klars Studierzimmer.


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Neben solchen Beratungen gab Klar einigen Thailänderinnen auch Deutsch-Unterricht. Gerade das Erlernen des Deutschen hat er als wichtigste Voraussetzung angesehen, den Benachteiligungen entgegentreten zu können. Die grundlegenden Unterschiede der indo-europäischen und der Sino-Thai-Sprachen waren jedoch für die jungen Frauen aus Thailand erst nach jahrelangem und ausdauerndem Lernen zu meistern. Die Erfolge der Pflegetochter zeigten der Familie Klar, daß sich die Mühe lohnt und mit großer Herzlichkeit gedankt wird. Seit 1991 ist Helmut Klar Mitglied der Deutsch-Thailändischen Gesellschaft, Bonn. Oftmals hat er das Neujahrsfest (Songkran) und das Lichterfest (Loy Krathong) der Thai besucht.

Auch bei dem Kambodschanischen Kulturzentrum, 1984 von dem Arzt Dr. Chan Thong Sérey in Heubach (bei Schäbisch Gmünd) gegründet, ist Klar unterstützendes Mitglied. Ende der 1970er Jahre kamen Flüchtlinge aus Kambodscha nach Europa; in der Bundesrepublik wurden etwa 1.700 und in Frankreich als ehemaliger Kolonialmacht in Indochina, etwa 110.000 Kambodschaner aufgenommen. Auch hier hat Klar an den buddhistischen Festen, die von ihnen in der Bundesrepublik gefeiert werden, als Gast teilgenommen. Einige Kambodschaner und Kambodschanerinnen besuchten die Familie Klar als Logiergäste und so konnten Klars den Kontakt zu den Flüchtlingen aus dem südostasiatischen buddhistischen Land noch verbessern.

Zeitlich etwas länger zurück liegt der Kontakt zu einer weiteren aus Asien stammenden buddhistischen Minderheit. Nach seiner Rückkehr aus dem Iran nahm Klar Verbindung zu den in München seit 1945 ansässigen etwa 60 bis 70 Kalmücken und ihrem tibeto-mongolischen Zentrum Thegchenchöpling auf. Wegen ihrer pro-deutschen Haltung im Zweiten Weltkrieg sahen sich die Kalmücken 1944 gezwungen, aus Belgard zu fliehen; einige wenige ließen sich in München, die meisten in den USA nieder. Klar nahm an Neujahrsfeiern im Kalmückentempel in München-Ludwigsfeld teil. Dabei mußte er allerdings beobachten, daß sich die nachwachsende Generation nach und nach ihrer angestammten Religion und Kultur entfremdet.

"Das kalmückisch-lamaistische Gedankengut und Brauchtum versickert im Sande des westlichen Materialismus. So brachten zwar die Kalmücken, die 'Zurückgebliebenen', das buddhistische 'Rad der Lehre' auf dem Landweg bis nach Mitteleuropa, aber schon die nächste Generation scheint, wie auch der größte Teil der deutschen Jugend, dem Materialismus und dem Stre-


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Rechts: Der Schrein des Kalmücken-Tempels in Belgrad, 1944.
Links: Geshe Rabten (1920-86) lehrt im Kalmücken-Tempel in München,1977.
ben nach Wohlstand verfallen zu sein. Die jungen Kalmücken wollen verständlicherweise sich anpassen und geben daher ihre Tradition auf. Sie wollen in unserer Gesellschaft voll integriert sein und kompensieren den Verlust an Tradition durch ein gesteigertes Bedürfnis nach neuen, glückverheißenden Möglichkeiten. Offenbar wollen die 'Zurückgebliebenen' nicht länger die 'Zurückgebliebenen' sein und haben in besonderem Maße das Bedüfnis als fortschrifttlich und modern zu gelten. Aber müssen sie deshalb auch ihre Religion aufgeben?"[4].


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Ähnliches beobachte Klar auch bei den jungen Kambodschanern in der Bundesrepublik. Gerade dem Heubacher Zentrum und den buddhistischen Festen kommt hier die Bedeutung der Kuturerhaltung und -weitergabe zu. Die Feste werden, anders als die Thai-Feste in Deutschland, unter Mitwirkung von buddhistischen Mönchen gefeiert. Die Mönche kommen vom kambodschanischen Kloster (Paris-Créteil) nach Heubach, um so möglichst traditionell das Fest mit Vortrag und Pali-Rezitationen zu begehen. Gerne spricht Klar die ihm wohlbekannten Pali-Verse mit.


Die Wichtigkeit angemessener Lehrvermittlung

Helmut Klar ist stets mit dem Buddhismus der Pali-Schriften verbunden geblieben. Da sie zu den ältesten schriftlichen Zeugnissen des Buddhismus gehören, sind sie ihm besonders authentische Quellen. Er schätzt die Übersetzungen von Paul Dahlke nicht nur deshalb, weil er diesen Büchern seine ersten Kenntnisse des Buddhismus verdankt. Auch die Qualität und Art der Übersetzungen, die er aufgrund seines Pali-Studiums überprüfen und beurteilen kann, haben ihn überzeugt, wie er selber sagt.

Für die Darlegung der buddhistischen Lehre wünscht er sich einen größeren Bezug auf Themen, die auch die 'buddhistische Basis', d. h. der Anfänger und einfache Laienbuddhist, nachvollziehen könne. Wichtig sei, zuerst buddhistische Grundlagen wie die Vier Edlen Wahrheiten und die fünf ethischen Selbstverpflichtungen (pañca-sila) zu erläutern und einzuüben. Bezeichnend sei es, gemäß Klar, wenn sogenannte 'Heilsgänger' das vierte sila, das Abstehen von unrechter Rede, mit der vierten 'Edlen Wahrheit' verwechseln würden. Themen, die sich mit Problematiken beschäftigten, wie man etwa vom Status des 'Einmalwiederkehrers' sich zum Status des 'Nichtmehrwiederkehrers' emporarbeiten könne, seien für die überwiegende Mehrzahl hiesiger Buddhisten eher irrelevant und unverständlich. Zudem sei seiner Meinung nach kaum einer der deutschen Buddhisten bzw. Buddhistinnen so weit, daß es notwendig sei, sich mit den unterscheidenden Spezifika dieser 'Wiederkehrer' zu befassen.

Die Schwierigkeit angemessener Lehrvermittlung würde, so Klar, in vielen buddhistischen Gesellschaften und Gemeinden gar nicht erkannt. Wie im Vorwort erwähnt, ist Klar der Überzeugung, daß es, ebenso wie es eine Literaturkritik und eine Theaterkritik gebe, auch eine Kritik des 'Theaters' geben müsse, das manche buddhistische Vereinigung in Europa aufführe. Allzu oft würden Maximalforderungen für die Laienanhänger, die 'Nicht-Asketen', aufgestellt; es seien Forderungen und Verhaltensweisen, die jedoch in vielen Fällen nur für den Lebenswandel


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des Mönches oder der Nonne gelten würden. Im täglichen Leben des 'Nicht-Asketen' stelle sich oft jedoch schnell heraus, daß solcherlei hochgeschraubte Anforderungen nicht zu erfüllen seien. Der so geforderte 'Heilsgänger' würde vor dem 'steinig zu begehenden' buddhistischen Pfad zurückschrecken und resignieren. Dieses führe dazu, daß mancher gar nicht erst mit dem 'Heilspfad' beginne und lieber in den gewohnten Bahnen verbleibe. Eine unangemessene Vermittlung der buddhistischen Lehre könne oftmals eher abschrecken als einladen, sie zu befolgen.

In verschiedenen Artikeln, die verstreut in buddhistischen Zeitschriften publiziert worden sind, hat sich Klar mit dem Buddhismus-Verständnis in der heutigen Zeit befaßt. Anstatt die Erfahrungen des kritischen Buddhisten Klar hier nur indirekt und gekürzt wiederzugeben, sollen sie in Teil III des vorliegenden Bandes in vier ausgewählten Beiträgen zur Sprache kommen. Auch in dem Interview greift Klar den Punkt nochmals auf.

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Helmut Klar im Oktober 1994 in seinem Arbeitszimmer in Heidelberg.



Fußnoten:

[1]) Helmut Klar, "Vom Ganges zur Donau", in: Die Einsicht, 3, 1, 1950, Zitat S. 28-29. Im Artikel folgt eine genauere Beschreibung des 'Altars' und des Tempelinnenraums, siehe dazu auch das Bild weiter unten.

[2]) Helmut Klar, "Der Buddhismus in Österreich nach dem Zweiten Weltkrieg", in: Bodhi Baum, 4, 1, 1979, S. 17-19, Zitat S. 17-18. Zum Buddhismus in Österreich siehe die Ausgaben von Ursache & Wirkung, 4, 1992 und Bodhi Baum, 18, 2, 1993; zu Kropatsch siehe Hecker, Lebensbilder deutscher Buddhisten, Band 2, Konstanz 1992, S. 99-101. Kropatsch war der Autor von Die letzte Freiheit des Menschen (Buddhas Lehre vom Nicht-Selbst), Büdingen: Avalun Verlag 1957, 92 S. und Wiedergeburt und Erlösung in der Lehre des Buddha, Gelnhausen: Heinrich Schwab Verlag 1963, 183 S.

[3]) Helmut Klar, "Der ungeladene Gast am Tisch des Dalai Lama", in: Esotera, 25, 6, 1974, Zitat S. 544.

[4]) Helmut Klar, "Die Kalmücken und ihr Tempel in Belgrad und München", in: Bodhi Baum, 5, 1, 1980, S. 29-36, Zitat S. 36; siehe auch von Klar "Das Schicksal der Kalmücken" und "Kalmückengemeinde München", in: Buddhistische Monatsblätter, 12, 3, 1966, S. 36 und 14, 4, 1968, S. 45. Zu den Kambodschanern siehe Klar, "1.200 Theravada-Buddhisten aus Kambodscha in Deutschland", in: Buddhistische Monatsblätter, 32, 6, 1986, S. 148-149. Siehe allgemein zu den in der Bundesrepublik lebenden, 1994 etwa 100.000 bis 120.000 asiatischen Buddhisten und ihren Festen, in REMID (Hg.), Religionen feiern. Feste und Feiertage religiöser Gemeinschaften in Deutschland, Marburg: Diagonal-Verlag 1995.

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7.4.1997 - Ansprechpartner/E-Mail: Paul Kuhn